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Von der Nordsee in die Herzen der Hörer: „Musik von See" Johannes Ruhr erinnert an die Zeit der Piratensender in den Küstengewässern
In Westeuropa sollten aber die längst eingefahrenen Strukturen um jeden Preis erhalten bleiben. Musik schien im Radio darum plötzlich irgendwie nicht mehr erneuerbar. Ebenso die Präsentation der Thematik in diesem neuen Rundfunksystem, dessen Vorgänger allerorts durch die Kriegswirren und deren Verursacher arg gebeutelt und schamlos missbraucht wurden. Wieder mal in Amerika (USA) gab es existente Muster, wie Rundfunk neu definiert werden kann. Die Zeiten in denen der Moderator hoffte, dass: „Tausende von Zuhörern
da draußen an den Lautsprechern..." saßen, um ihm zu lauschen, sollten der
Vergangenheit angehören. Die neue Programmform wollte den Hörer durch den
Tag begleiten. Beim Frühstück ebenso wie im Auto auf dem Weg zur Arbeit, ja
wenn möglich auch am Arbeitsplatz und bei der Arbeit im Haushalt - eben
durch den Tagesablauf, ohne jedoch spezielle Aufmerksamkeit zu verursachen
und trotzdem Aktualität zu
suggerieren!
Wie auch bei uns in
Deutschland war in den Niederlanden das Betreiben von kommerziellem Rundfunk
untersagt, und auch dort lag das Rundfunkmonopol in staatlicher bzw. in
öffentlich rechtlicher Hand. Die Im Hafen dümpelte zu der Zeit das fast 50 Jahre alte Feuerschiff „Borkum Riff III" vor sich hin. Es wurde 1911 bei der Meyerwerft in Papenburg fertiggestellt und hatte seitdem seinen Dienst als Feuerschiff in der Westerems versehen. Der immer rasanter werdenden Technisierung auf den Weltmeeren viel dieses Schiff dann zum Opfer. Es durfte sich aber noch Feuerschiff-Reserve nennen, denn für einen Notfall war es immerhin noch gut genug. Als es aber zum Verschrotten verkauft werden sollte, schienen die Tage des Schiffsveteranen gezählt. Dieser Gang der Dinge wurde am 9. Dezember 1959 unterbrochen. An jenem Tag kaufte der niederländische „VRON" das Feuerschiff für 63 000 Gulden. Gleichzeitig erhielt die Emder Cassens Werft den Auftrag, dass Schiff zu renovieren und als Sendeschiff auszurüsten. <<< Das ehemalige Feuerschiff "Borkum Riff III"
Das ehrgeizige Vorhaben konnte damit aber nicht gestoppt werden. Inzwischen hatte die niederländische Radio-Gesellschaft dicke Werbeverträge in der Tasche, darüber hinaus hatten sie bei Lloyds eine Versicherung gegen die Beschlagnahme ihres Projekts abgeschlossen. Am 18. April gegen 14:30 hieß es „Leinen los" bei Cassens in Emden. Die alte „Borkum Riff III" legte mit neuen Namen (Veronika) und unter der Panama Flagge ab. <<<Tontechniker an Bord der "Borkum Riff III" (Veronica)!
<<< Die Brüder Verweij bilden das neue Direktorium der VRON Am 21. April 1960 war es
dann soweit. „Radio Veronica" nahm von der „Borkum Riff III" aus, seinen Ende 1960 übernehmen die
in der Textilbranche tätigen
Brüder Hendrik "Bull", Dirk und Jaap Verweij den Seesender „Veronica". Kurze Zeit
später boomt die Werbespot Nachfrage. Der dickste Fisch zu der Zeit: Ein
Vertrag über 20 Werbespots am Tag, für die Strumpffirma „Nur Die". Einer
Umfrage der niederländischen Rundfunk Kontrollbehörde „NIPO" zufolge, hat
Radio „Veronica" Anfang 1961 etwa 5 Millionen Hörer. Das Königreich hatte zu
der Zeit etwa 13,5 Millionen Einwohner. Am 1. April 1964 wird der
Piratensender von Personen der niederländisch en Musikszene überfalle. Dieser
Vorfall geht in die Rundfunkgeschichte des
Landes als „Sturm auf die
Bastille" ein.
<<<Aus dem Cuxhavener Logger NC 420 "Norderney" (oben), wird das neue Sendeschiff für Radio Veronica
Programmen des britischen Rundfunk. Ja selbst Radio Luxemburg ging
nicht auf die Talente des Plattenproduzenten ein weil dessen Sendezeit
bereits von den großen Plattenfirmen gebucht war. Als „die behäbige alte
Dame BBC" jedoch auch einen Song von Georgie Fame nicht in ihr Programm
aufnehmen wollte, weil dort nur der „Swing", vorgetragen von den klassischen
Big Bands jener Zeit, eine Rolle spielte, platzte ihm der Kragen. Andere
hätten nun über die Ungerechtigkeit der Welt im Allgemeinen und der
Musikbranche im Speziellen gewettert und wären danach wieder zum
Tagesgeschäft übergegangen. Nicht so O’Rahilly. Er schmiss seinen Job um
Pirat zu werden.
Der damals
27-jährige kaufte auf den Namen seines Vaters „Aodogan",
(FOTO: rechts) in Dänemark eine 1930 in Frederikshaven
gebaute Personenfähre, die er über Amsterdam nach Greenore (Irland) bringen
ließ um sie dort als Seesendeschiff ausrüsten zu lassen. Am 27 März 1964
ging das in „Caroline" umgetaufte Schiff dessen ursprünglicher Name
„Fredericia" war, vor Felixstone in internationalem Gewässer vor Anker.
Bereits am anderen Mittag, es war Ostersonnabend, ging „Radio Caroline" mit
dem „Stones" Song „Not Fade Away" in den Äther und zeigte der europäischen
Jugend, was Radio wirklich sein kann. Auch bei uns in Ostfriesland
war
„Caroline" relativ gut zu hören, und weil an die Empfangsqualität damals
nicht halb so viele Ansprüche
![]() gestellt wurden wie etwa heute, wurde „Radio
Caroline" bei uns zur englischen Alternative des holländischen
Piratensenders „Veronica". „Caroline" war der: „Tigger of Swinging Sixties".
Zu jener Zeit erreicht in unserer Region der Umsatz von Transistorradios gerade seinen Höhepunkt. An jedem sommerlichen Badetag hatte diese technische Errungenschaft seinen Platz neben dem Badetuch. In den schrillsten Farben vermittelten die heute eher skurril anmutenden Modelle, der batteriebetriebenen Geräte, welcher Musikkategorie die Badegäste zugetan waren. Wie gesagt: Die Übertragungsqualität hat sich gegenüber heute um 360° gedreht. Heute ist die Tonqualität „topp", aber eine Vielzahl der zu hörenden Musik ist wie das Land – total flach! Das Unternehmen „Radio
Caroline" blieb nicht lange konkurrenzlos vor der britischen Küste. Bereits
am 5. Dezember 1964 ging „Radio Big London", dass die Fans kurz „Big L"
nannten, auf einem ehemaligen U.S.
mit dessen Ideen neuen Schwung für „Radio
Caroline". Der Konkurrent war ausgeschaltet, und um außerdem nicht mit dem
neuen britischen Rundfunkgesetzt in Konflikt zu geraten, stellte „Radio Big
London" am 14. August 1967 seinen Sendebetrieb ein. Das Schiff „Galaxy"
wurde nach Hamburg gebracht und lieferte später nochmals Schlagzeilen in
Sachen Piratensender, bevor es am 20. April im Jahre 1979 den Geist aufgab
und im Kieler Hafen sank (FOTO rechts).
Von dem zweiten
konkurrierenden Piratensender „Radio Atlanta" (auf Sendung vom 9. Mai bis 2.
Juli 1964)
einverleibte sich O’Rahilly neben den D.J’s auch das Schiff „Mi
Amigo" und dessen Chef Alan Crawford (FOTO:
rechts), der Geschäftsführer bei der
Caroline-Gesellschaft wurde. „Radio Caroline gab es nun zweimal. Vor der
Isle Of Man ankerte jetzt das ursprüngliche Sendeschiff „Caroline" und
sendete das Programm „Caroline North". Die MS „Mi Amigo" ankerte vor Frinton
und sendete unter dem Namen „Caroline South" bis März 1968 Popmusik rund um
die Uhr für die grenzen-lose Jugend Europas. Natürlich ließ sich die
britische Regierung diesen Radiospaß nicht lange gefallen, zumal die Idee
rasch Nachahmer fand, so dass sich in kürzester Zeit ein halbes Dutzend
Radioschiffe auf See befanden: man erweiterte die Hoheitszone auf 12 Meilen
und verbot den Seesenderbetrieb von britischen Boden aus. Am Stichtag des
Inkrafttreten dieses Gesetzes (14. Aug. 67) schalteten alle anderen
Piratensender vor der englischen Küste ihre Sender ab. Nur „Radio Caroline"
blieb im Äther!
<<< Die "Mi Amigo" (früher "MS Silvetta") sendet das Programm von "Caroline South" Vor der niederländischen
Küste sendet Radio Veronica weiterhin mit der Gunst der Hörer im Rücken.
Jedoch Bei „Radio Caroline" mit
seinen zwei Sendeschiffen lief zu dieser Zeit nicht alles nach Plan. Wegen
des neuen britischen Rundfunkgesetzes musste der Seesender nun vom Ausland
aus mit Lebensmitteln,
<<<Als "Caroline North" meldet sich nun das ursprüngliche Sendeschiff (MS Fredericia) bei seinen Hörern. Namen aus der
niederländischen Musikszene, wie: Golden Earring,
Shocking Blue, The Cats, Bintangs, Brainbox, Lovin’ Spoonful, BZN, Pussycat, Hermann van Veen,
Hermann Brood, Peter Koelewijn u.a., haben, auch durch ihr Forum bei Radio
Veronica, diese Zeit mitgeprägt. Ähnliches
gilt für Großbritannien.
<<<Beide Radio Caroline Schiffe liegen im Amsterdamer Hafen an der Kette.
Trotz des Drucks der anderen europäischen Länder unterzeichnete die Niederlande nicht die Straßburger Konvention, die das Treiben der Piratensender beenden sollte, indem jedes Land die Betreiber solcher Stationen unter Strafe stellt, sobald sie deren Hoheitsgebiet betreten. Das galt auch für die Bediensteten und die Versorgungsfirmen. Die niederländische Regierung befürchtete einen Aufstand in der Bevölkerung, wenn man Radio „Veronica" stilllegen würde. Protestaktionen für den Erhalt dieses Senders hatte es schon mehrfach gegeben. Es entstand ein Politikum. „Veronica" wurde sozusagen geduldet! Radio Veronica erreichte auch durch seine erfolgreiche Jingle-Produktion Aufmerksamkeit und Anerkennung in der europäischen Radioszene. Will Luikinga (FOTO: mit Kopfhörer) zu jener Zeit einer der beliebtesten DJs bei diesem Seesender:„Als ich etwa zwanzig
Jahre alt war und zu meiner ersten Sendung bei Veronica mit einem Stapel
Singles in das Studio stolzierte, fragte mich eine zu diesem Zeitpunkt noch
unbekannte Person, die hinter den Reglern saß: „Wie heißt deine
Erkennungsmelodie, und hast du ein eigenes Jingle?" „Nein", antwortete ich,
aber ich habe eine ganze
„Denk immer daran," sagte Ad Bouman ein paar Monate später, als ich Ihm erzählte, dass ich die Melodie, die er damals für mich als Erkennungsmelodie ausgesucht hatte, sehr gut fand, „Deine Erkennungsmelodie geht ein ganzes Leben lang mit dir!" Er wusste wovon er spricht! Ich blieb bei meiner Melodie und ich spiele sie heute noch. Nachmittags hatten wir ein paar Jingles, die ich „mehr schlecht als recht" selbst eingespielt hatte, fertiggestellt. „Luikinga, Luikinga. Junge was machst du da". Ja wirklich, die Jingles waren tatsächlich brauchbar. Jingles sind wichtig für eine moderne Radiostation. Sie bilden das Gesicht eines Senders. Im Laufe der Jahre hat sich auch auf diesem Gebiet einiges getan. Als wir noch auf der Mittelwelle „192 Meter" (KHz) sendeten, hatten wir in den Niederlanden noch keine Erfahrung mit so einer Musik von 20 Sekunden. Zum Glück kam Willem van Kooten mit der „eisenstarken Schlagzeile: „Een-negen-twee – goed – idee – luister – mee - naar Veronica (Eins – Neun – Zwei – gute –Idee – hören wir Veronica)." Diesen Spruch konnte man sogar mit einer Drehorgel untermalen, selbst dann klang er noch gut. In den USA waren uns die Kollegen, zumindest auf dem Gebiet: „Jingles" weit voraus. Ein befreundeter KLM-Steward brachte ab und zu Kompakt-Kassetten für uns mit und wir saßen mit roten Ohren vor dem Abspielgerät und hörten wie eines nach dem Anderen „Jingle-Highlight" an uns vorüberrauschte. Oft schnitten wir die Namen der amerikanischen Stationen aus dem Band und riefen dann an dieser Stelle: „Veronica". Getreu der Spielregel: Besser gut geschnitten, als schlecht aufgenommen! Später, als wir vom Seedeich Nr. 8 in Hilversum nach Laapersveld umgezogen waren, kamen regelmäßig Musiker ins Haus, meistens lag eine Gitarre auf ihrem Autorücksitz. Im Studio sangen sie dann aus voller Brust: „Veronica". Die ausländischen Kollegen hatten damit etwas größere Probleme, doch unser gut gefüllter Kühlschrank tat da wahre Wunder. Einer gelungenen Jingle folgte immer ein geselliges Fest. Leon Russell, der in den Jahren sehr bekannt war, weil er immer einen hohen Hut trug und mit Joe Cocker auf Tournee war, setzte sich persönlich ans Piano Jahrgang 1910. Er fiel vom Hocker, noch bevor er den ersten Accord gespielt hatte. Aber der Wille war da! Jingles für die Segelregatta, für die Automobilfans, für Weihnachten, für die Aktion „Veronica Blijft Als U Wilt (Veronica bleibt, wenn Ihr es wollt)", für den Beatles-Tag, alles haben wir gemacht. Auf Geräten an denen schier endloser Kabelsalat hing, die jedoch bei Störungen durch den berühmten Schlag mit dem Gummihammer durch Adje Bouman stets wieder einsatzbereit waren. Als wir von der Frequenz
192 KHz nach 538 KHz wechselten, wurde die ganze Sache professioneller.
Fachkundige Arrangeure und Komponisten in einem Plattenstudio kreierten
unser erstes echtes Jingle-Paket. Das wir nun eigentlich
Heute ist die Herstellung von Jingles, Bridges und Trailern ein eigener Musik-Zweig. Zahllose Studios machen solche „Musikstückchen" am laufenden Band und man brauchst sie nur noch einzusingen (Playback). Jede Rundfunkstation mit mehr als zehn Hörer hat sein eigenes Jinglepaket. Aber das hört man dann auch. Unsere Jingles die einst durch den Äther in Ihre Radios kamen, sie hatten allesamt eines gemeinsam: Sie vermittelten den Hörern, warum Veronica „Veronica" war. <<< MS Galaxy am Ausrüstungspier im Hamburger Hafen Am 17 April 1968 sorgte eine Meldung der DPA für internationale Aufregung. Unter dem Titel: „Neuer Piratensender im Kommen" wurde gemeldet, dass die „MS Galaxy" (früher Sendeschiff von „Big L") durch ein Schweizer Werbebüro aus St. Gallen in Hamburg gekauft worden sei und als Radioschiff ausgerüstet in internationalen Gewässern auf einer Position bei Helgoland verankert werden solle. Der Start dieses angekündigten neuen Seesenders wurde aber ständig hinausgeschoben, bis es schließlich hieß, die Schweizer Firma „Gloria International" habe sich aus dem Projekt zurückgezogen, da sie befürchte, dass die Bundesregierung der Straßburger Konvention zustimmen werde, was dann auch tatsächlich im Juni 1969 der Fall war.Nun traten zwei weitere
Schweizer auf den Plan: Erwin Meister und Edwin Bollier (Geiser und Boiler
nannte sie später der niederländische Radio DJ „Leo van der Goot"). Sie
hatten einen neuen Plan: Um ein Schiff zu einem Sendeschiff auszurüsten,
konnte man jetzt nur noch die Niederlande wählen, weil dort das sogenannte
Piratengesetz nicht unterzeichnet worden war, und die Eigner vorgaben, das
Sendeschiff vor der deutschen Nordseeküste zu platzieren. Die Schweizer
kauften in Norwegen die MS Bjarkoy und nannten sie MEBO, zusammengesetzt aus
den ersten 2 Buchstaben der beiden Nachnamen. Während der
<<< Erwin Meister und Edwin Bollier Erstmals am 22. November 1969 sickerte durch, dass der künftige Sender „Radio Nordsee International (RNI)" heißt und das sein Programm in Deutsch, Niederländisch und Englisch in den Äther geht. Das Programm sollte bis Warschau zu hören sein. Ein 30 Sekunden Werbespot kostete 200 $ und ein Spot über 1. Sendeminuten 380 $. Das niederländische Kabinett ließ erkennen, dass es nun doch dem Antipiratengesetz der Nachbarländer zustimmen wolle, da sich sonst noch mehr Seesender vor ihrer Küste ansammeln würden. Im Hintergrund hatten die Brüder Verweij als Betreiber von „Radio Veronica" den Schweizern Konkurrenten einen großen Geldbetrag überwiesen (Gerüchten zufolge soll es sich um 1. Million Gulden gehandelt haben), womit sie Anteile an dem Radioschiff „MEBO II" erwerben wollten. Der Kapitän auf dem „Radio Nordsee" Schiff wurde ebenfalls durch die „Veronica" Besitzer gestellt. Im Gegenzug sicherten die Schweizer der Veronica Company zu, niemals Programme in niederländischer Sprache zu senden.
<<< Das deutschsprachige Team mit "Hannibal", Axel und Horst Reiner Einen weiteren
Piratenstreich hatte „RNI" in der Zeit zwischen dem 13. und 20 Juni
unternommen. Die „MEBO II" verlegte ihren Ankerplatz vor die britische Küste
bei Frinton, um in den dortigen Wahlkampf einzugreifen. Der Piratensender
meldete sich unter dem Namen „Radio Caroline International" bei den Hörern,
um auf der Popularitätswelle von „Radio Caroline" (das zu dieser Zeit nicht
existierte) den Wahlausgang zu beeinflussen. Tatsächlich fand dann auch der
erhoffte Regierungswechsel statt.
"Harald Wilson im Mao Look". Fotomontage im britischen Wahlkampf 1970>>> Im Februar 1971, war die Station „Radio Nordsee International" wieder zu hören. Zum deutschsprachigen Team gehörten zu Beginn die DJs Horst Reiner, Axel und „Hannibal", der unter seinem bürgerlichen Namen Ulf Pose später Karriere bei Radio Luxemburg und dem WDR machte. Deutschsprachige Musiktitel waren aber nicht zu hören, weil kein konkurrenzfähiges, populäres Musikangebot vorhanden war, das die Werbepartner akzeptierten. Besonders in Erinnerung ist den Stammhörern von damals die RNI Erkennungsmelodie „Man Of Action" (Cover-FOTO: links) die andauernd gespielt wurde. Diese Melodie lief immer und immer wieder – es war eine Art Gehirnwäsche für die Hörer, denen klargemacht
werden sollte, dass sie nun ihre absolute Lieblingsstation für die kommenden
Jahre gefunden hatten. Beliebt war das Programm allemal, das bezeugten
Waschkörbe voll Fanpost, insbesondere aus Ostfriesland und der ehemaligen
„DDR".
Am 15. Mai 1971 fährt der
niederländische Kapitän Tom van de Linden in Begleitung von zwei
gewesen sein, das seit geraumer Zeit, entgegen
allen Absprachen, von „Radio Noordzee" gesendet wurde.
Die Schweizer
Meister und Bollier hatten inzwischen in den Niederlanden mit der
„Strenghold Musikgesellschaft" einen finanzstarken Partner gefunden, dessen
Direktor John de Mol war. De Mol, früher
Chormitglied einer Gesangsgruppe,
die kommerzielle Jingels für Radio Veronica produzierte, ist der Vater von
Linda de Mol, die bei uns durch zahlreiche RTL-TV-Shows bekannt wurde, und
von John jun., der
schon als 17 jähriger in der technischen Abteilung von Radio Nordsee an Bord der MEBO II tätig
war, und heute der größte Fernsehshow-Produzent in Europa ist. De Mol sen.
brachte auch den nötigen niederländischen Flair mit, der für diesen
Programmbereich so wichtig war. Als Solosänger trat der Senior der Familie
de Mol mit dem Country-Song "El Paso" in den Niederlanden in Erscheinung.
Den DJ's von Radio Nordsee wurde jedoch die sofortige Entlassung aus dem Job
angedroht, sollten sie dieses Werk im Programm des Senders spielen.
<<<Der
17-jährige John de Mol Junior am Mischpult. Links hinter der Technik seine
Schwester Linda de Mol. Nicht zuletzt auf
Grund des von den „Veronica" Leuten durchgeführten Anschlag auf die „MEBO
II" beginnt die Regierung in Den Haag laut über ein (dort sogenanntes) „Anti-Veronica-Gesetz"
nachzudenken! Um dem entgegenzuwirken startet „Veronica" die Aktion:
„VERONICA BLEIBT, WENN IHR ES WOLLT" bzw. „IHR MÜSST ’WAS TUN, ES IST FÜR
VERONICA". Bei dieser Aktion wird das ganze Ausmaß der Beliebtheit dieses
Senders in der Bevölkerung des Landes spürbar.
In der Zwischenzeit ist
auch die schillernde Persönlichkeit Ronan O’Rahilly
(FOTO rechts) auf die Radiobühne
zurückgekehrt. Durch finanzwillige Partner hat er das Radioschiff „Mi Amigo"
auf äußerst ominöse Weise zurückbekommen. Bei einer öffentlichen
Versteigerung des ehemaligen Radioschiffs am 29 Mai 1972 erhielt ein nicht
namentlich genannter Bieter den Zuschlag für das Objekt „Mi Amigo", gegen
Zahlung von 20.000 Gulden. Hinter den namenlosen Bietern verbargen sich die
ehemaligen „Radio Caroline" Mitarbeiter Rob Vermaat und Gerard van Dam.
Später meldeten sie die „Mi Amigo" unter ihrem fingierten Firmennamen: „Dutch
Free Radio Organisation" bei der niederländischen Radio Kontrollbehörde zu
dem Zweck an, auf diesem Schiff ein „Freies Radio" Museum aufzubauen. Die
Behörde erteilte die Genehmigung mit der Auflage, dass sich keine
„betriebsbereite" Sendeanlage an Bord befinden darf. Nachdem die
Ausbauarbeiten im Amsterdamer Hafen abgeschlossen waren, ließen die Eigner
verlautbaren, dass sie das Radiomuseum lieber nach England verlegen wollen,
da dort das Interesse in der Bevölkerung an so einem Objekt größer sei. Am
2. September verlässt die „Mi Amigo" den Amsterdamer Hafen Richtung England.
Am frühen Morgen des nächsten Tages wirft das Radioschiff Anker vor der
Küste von Scheveningen, in Sichtweite der Piratensender „Radio Veronica und
„Radio Nordsee International". Am 29. September 1972 nach vierjähriger „Offshoreradio"
Abstinenz macht Ronan O’Rahilly einen Neustart mit einem Seesender. Weil
O’Rahilly die Situation der Radioszene vor der niederländischen Küste erst
mal überschauen wollte, meldete sich die Station zunächst mit dem Namen:
„Radio 199". Als sich der Erfolg einstellte, änderte sich die Identität des
Senders wieder in „Radio Caroline". In einem neuen Programmformat und mit
einer neuen Mannschaft, dessen Akteure hauptsächlich der Hippie- und
Aussteigerszene zugeordnet werden, appelliert er an die Ethik
Am 2. April 1973 tobt ein schwerer Sturm an der Nordseeküste. Bei den beiden Sendeschiffen „Norderney" (Radio Veronica) und „MEBO II" (RNI) brechen die Ankerketten. Das „Veronica" Schiff treibt auf den Scheveninger Strand, während sich die „MEBO II" mit eigener Kraft auf ihrer Position halten kann. Da das Veronica Schiff nun in niederländischem Hoheitsgebiet lag, wurde der Sendebetrieb unverzüglich gestoppt. Ein Pirat war gestrandet. Piraten wären aber nicht Piraten, wenn sie sich nicht helfen. Ronan O’Rahilly stellte dem „Veronica-Team" sein „Radio Caroline" Schiff bis zum Freischleppen der „Norderney" zur Verfügung und der Sendebetrieb wurde von Bord des Konkurrenten fortgesetzt, nachdem auf der „Mi Amigo" ein zusätzlicher Generator und zwei neue Studios installiert waren. Von dem Geld das O’Rahilly von der „Veronica Company" für diesen Hilfsakt erhielt, ließ er den defekten Sendemast, der durch den Sturm in Mitleidenschaft geraten war, durch einen neuen, höheren Mast ersetzen. Im Kurzwellenprogramm von „Radio Nordsee International" gab es seit Oktober 1972 wieder eine deutschsprachige Sendung mit dem Namen „NSGDX", die von zwei Emdern produziert wurde. Die Brüder Werner und Peter Hartwig lieferten ihre Beiträge zum Teil aus ihrem eigenen Studio in Emden, aber auch von Bord der „MEBO II". Auch beim „Final Closedown Day" des Offshore-Radios waren sie dabei und schwärmen noch heute von der großen
Anteilnahme der Bevölkerung, als Schiffe und Besatzungen in den Scheveninger
Hafen eintrafen.
Das nun mit „Radio Atlantis" inzwischen vier Offshoreradios vor der niederländischen Küste ihr Musikprogramm mit Werbespots senden, sowie die immer heftiger werdenden Zwischenfälle bei diesen Radiostationen, veranlasst dann doch die zweite Kammer der niederländische Regierung, einen Gesetzesvorschlag zum Verbot dieser Sender einzubringen. Am 22. Juni 1973 nahm die
Zweite Kammer des Parlaments in Den Haag mit 95 gegen 37 Stimmen den
Gesetzentwurf an und brachte damit eine Lawine von juristischen Abläufen in
Gang. Erst am 22 Januar 1974 konnte sich die Erste Kammer der
niederländischen Regierung mit dem Anti-Piraten-Gesetz befassen und
entschied sich mit 29 gegen 12 Stimmen für ein Inkrafttreten dieser
Bestimmung. Weitere juristische Drahtseilakte folgten, so dass es noch bis
zum 20. August 1974 dauerte, ehe der endgültige Termin für den Beginn der
Gültigkeit dieses Gesetzeswerkes feststand. An jenem Tag lässt das „Wasser-
und Verkehrsamt
Zwei Tage vor Inkrafttreten des Gesetzes, verlässt „Radio Caroline" seinen Liegeplatz vor Scheveningen, um an die englische Küste geschleppt zu werden. Gezogen von einem Schiff namens „Dolfijn", dessen Eigner jener Tom van Linden ist, der den Brandanschlag auf das „RNI Schiff" anführte. Ronan O’Rahilly wiedersetzt sich damit dem nun im gesamten Nordseegebiet gültigen Gesetz. Der mit 14 Jahren älteste Seesender Europas „Radio Veronica" und der Jüngste an unserer Küste: „Radio Nordsee International (RNI)" verabschieden sich in den letzten Tagen vor dem 31. August jeweils auf emotionale Weise von ihren Fans. Unvergessen die Worte vom
Veronica-Direktor Rob Out: am "Final-Closedown-Day" in der Sendung "Het
laatste Uur"
„Vor etlichen tausend Jahren entdeckte ein Mensch, das er Feuer machen kann, wahrscheinlich wurde er von seinen Mitmenschen verbrannt. Er war ein Bösewicht, ein Pirat! Von nun an jedoch machten die Menschen Feuer um sich zu wärmen, um Licht zu machen und um sich Essen zu kochen! Etwas später erfand Jemand das Rad. Er ist wahrscheinlich gevierteilt worden, auf der Folterbank. Er hatte der Menschheit etwas geschenkt, das keiner begreifen konnte, dass ihnen aber die Wege zu allen Teilen dieser Erde öffnete. Zu allen Zeiten gab es
Menschen, die den Anstoß zu neuen Entwicklungen gaben. Mit ihren Ideen,
ihrem Denkvermögen und ihrer Kreativität. Die Antwort darauf war immer
dieselbe: Hass und Missgunst. Jede neue Idee
Das Flugzeuge durch die Luft fliegen können, war unmöglich, die Narkose war eine Sünde, Raumfahrt ist Gotteslästerung! Radio Veronica ein Verbrechen? Radio Veronica ist entstanden durch die Initiative einer handvoll Niederländer. Zerstört durch eine Gruppe Niederländer, die sich in Ihrer Autorität bedroht fühlten. Unser Rundfunksystem ist eine Institution von kleinen „Möchtegernen", instandgehalten von desinteressierten Personen, die kein Ohr für die Hörerbedürfnisse haben. Radio Veronica ist eine Bedrohung für dieses System, und darum muss es verschwinden! Das was wir tun, machen wir nicht zum Zeitvertreib, und darum ist es schwer gegen unseren Idealismus zu kämpfen. Veronica musste Angst und Willkür durchleben, weil es keine politische Bindung hat - und Veronica hat diese Zeit überstanden. Menschen haben Feuer,
Sturm und Blitze bezwungen, Ozeane mit Segelschiffen überquert, sie haben
Flugzeuge und
Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Ein schlimmes Gefühl. Eine Epoche geht zuende. Sie stirbt jetzt. Mit dem Abschied von Radio Veronica stirbt auch ein Stück Demokratie in den Niederlanden. Das tut mir Leid! – für die Niederlande!" Rob Out Am 25. Dezember 2003 stirbt Rob Out nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 64 Lebensjahren in seinem Anwesen in Laren.. „Radio Veronica" ist seit 1976 legaler Rundfunksender und erreicht im Jahre 2005 erstmals wieder die höchste Hörenquote von allen Radiostationen in den Niederlanden. An dieser zweiten Ära der Radio-Organisation "Veronica-Omroep-Organisations (VOO)" war Rob Out zusammen mit Lex Harding maßgeblich beteiligt. Die Nachfolgeorganisation
von „RNI", eine italienische Gesellschaft (Radio Nova International),
arbeitet noch
Das „Veronica" Schiff „Norderney" wurde später in Groningen zu einer schwimmenden Diskothek ausgebaut und gastierte in verschiedenen Häfen des Landes. Als der Gastronom Peter Sälzer seinen Discothekenbetrieb „Madison" in Emden von Grund auf neu gestalten ließ, charterte auch er das Schiff. Während dieser Umbauphase lag die Norderney im Emder Ratsdelft beim Hafentor . An Bord des „Veronica" Schiffs wurde eine der ersten Emder Filmfest Eröffnungspartys gefeiert. An Bord waren damals auch die Schauspieler Martin Armknecht und Thomas Heinze. Heute dümpelt das Schiff als Cafe und Tanzlokal im Stadthafen von Antwerpen.
Am 25. September 1965
startete Mike Leckebusch als Regisseur und Initiator den „Beat Club" im „1.
Deutschen Fernsehen". Als er nach mehreren Sendungen glaubte, seine
Moderatorin Uschi Nerke müsse einen Partner mit britischem Flair erhalten,
verpflichtete er den durch „Radio Caroline" bekannten DJ: Dave Lee Travis.
Jahre später, nachdem der „Beat Club" aus dem ARD-Programm gemoppt war, kam
Leckebusch mit der Sendung „Musikladen" ins ARD-Programm zurück. Er startete
die Sendungen mit der ehemaligen Erkennungsmelodie von „Radio Big London",
den meisten als Big „L" bekannt. Diese Melodie wird von den „Mood Mosaic"
gespielt und trägt den Titel: „A Touch Of Velvet – A Sting Of Brass" (Ein
Hauch von Samt und ein Stück Blech). Später als Mike Leckebusch von Bremen
nach Garlstedt bei Bremerhaven zog, installierte der passionierte DXer
(Wellenjäger) riesige Hochleistungsantennen auf seinem Gelände, um sein Ohr
Im August 1983 traute ich meinen Ohren nicht, aber Tage später bestätigten Zeitungsmeldungen mein Gehörtes: „Radio Caroline" ist wieder im Äther. Seit dem 9. August liegt ein leuchtend rotes Sendeschiff mit dem Namen „Ross Revenge" bei „Knock John Deep" vor der englischen Küste, und sendet seit dem 19. August das Programm von „Radio Caroline". Der dritte Start in der Piratenradio-Geschichte dieses Senders nach 1964 und 1972. Wie war es dazu gekommen, wo doch das „Anti-Piratengesetz" für alle Nordsee-Anrainerstaaten gültig war? Eine neue „Radio-Caroline-Company" war unter Mitwirkung von Ronan O’Rahilly gegründet worden und hatte in Rosyth (Schottland) das passende Schiff für ihr Projekt gefunden. Eine Firma Namens „Seamore" aus Lichtenstein, mit dem österreichischen Direktor Ernst Kunz kaufte die „Ross Revenge" für nur 28.500,- britische Pfund und ließ sie in Panama für die Firmen „Seamore" und „Grothan" registrieren. Damit das Schiff eine Seefunklizenz bekommt um am internationalen Schiffsfunk teilnehmen zu können, wird es als Motoryacht eingestuft. Das Schiff wurde im April 1981 nach Spanien in den Hafen Solares in der Nähe von Santander geschleppt. Die Umbauarbeiten beginnen im Herbst des gleichen Jahres. Das ganze Piratensender Know How der vergangenen zwanzig Jahre soll in diesem Radioschiff angewendet werden. Der Sendemast ragt 90 Meter über den Meeresspiegel hinaus und ist der höchste Mast der je auf einem Schiff installiert wurde. In diesen Ausmaßen ist er mehr als doppelt so hoch wie der Sendemast des gesunkenen Sendeschiff „Mi Amigo". Ballast als Gegengewicht für dieses Stahlmonster ist Boton, der in die ehemaligen Kühlräume im Schiffsbauch gegossen wird. Die „Ross Revenge" war ein in Bremerhaven gebauter Fischtrawler. Unter Deck werden zwei Studios mit dem neusten und besten Equipment dieser Zeit ausgerüstet. Auch die Serviceanlagen entsprechen den Standards dieser Zeit. Zu Beginn des Jahres 1982 wird in Kanada der Hauptinvestor der „Caroline-Company" James Ryan wegen Betrug festgenommen. Weil Ronan O’Rahilly sich nicht an getroffene Vereinbarungen hält, lassen die Investoren der Firmen „Seamore" und „Grothan", vertreten durch James Ryan, das Schiff an die Kette legen. Nach einem schier endlosen Papierkrieg sind im Mai 1983 die Besitzverhältnisse geregelt, und im August wird das Schiff an seine vorgesehene Ankerposition vor die englische Küste geschleppt. Mit Aufnahme des Sendebetriebes stellt man fest, dass gut 75 % Großbritanniens mit dem Signal erreicht werden. Auch die Ballungszentren der Niederlande, Belgiens und Deutschlands werden in guter Sendequalität erreicht. Besonders glücklich ist die Gesellschaft darüber, dass ihr Sendsignal, dem der „BBC" gleichwertig ist. Die erwartungsvolle Fangemeinschaft in weiten Teilen Europas hört nun wieder Musik die anderswo nicht erklingt, gut gemixt mit den Hits dieser Tage. DJs kommen weniger zu Wort, man lässt die Musik für sich sprechen. Jingles ertönen, wie: „Swinging Europa von der Nordsee" und „Großbritanniens einzige Albumstation". Ein anderer Slogan war „Caroline ist gekommen um zu bleiben", und blieb tatsächlich länger als alle anderen Piratensender zuvor. Was die „Radio Caroline" Crew schon von früher kannte, wiederholte sich auch bei diesem Unternehmen. Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten. In nächster Nähe der „Ross Revenge ging die „Communicator" vor Anker und sendete ab 6. Mai 1984 ein Programm im amerikanischen „Mainstream" Format. Der Sender nannte sich „Laser 558" und war mit seinem Musikangebot eine größere Bedrohung für die „BBC" als „Radio Caroline". Dieser Sender stellte seinen Betrieb, nach einem unerfreulichen Besuch der britischen Marine, am 5. November 1985 wieder ein. Inzwischen waren auf drängen der Briten die Hoheitsgebiete der Nordseeanrainerstaaten, jetzt Wirtschaftszonen genannt, auf zwölf Seemeilen vergrößert worden. Am 9. November verkündete die Seefahrtsbehörde das ein Behördenboot in der Nähe von „Radio Caroline vor Anker gehen wird, um die Situation zu beaufsichtigen. Das war aber schon am 3. September geschehen. An diesem Tag legte sich das niederländische Mienensuchboot „Makkum" bei der „Roos Revenge" vor Anker um eine Art Belagerung vorzutäuschen. Diese Aktion unter dem Codenamen „Eurosiege" wurde aber wegen Erfolglosigkeit am 14. Dezember wieder beendet. Der Einschüchterungsversuch zeigte offenbar keine Wirkung bei den Radiopiraten. Das nächste Land, von dem aus das Sendeschiff „Ross Revenge" nun unter immensem Kosten- und Zeitaufwand mit Treibstoff (8.000 Liter pro Woche), Tonträgern und den nötigen Dingen des Bordlebens versorgt werden konnte, war Spanien! Das erweckte den Eindruck, man wolle „Radio Caroline" förmlich verhungern lassen. Auch der Zug der Zeit hatte längst seine Aufgabe übernommen. Zum Einen war der Höhepunkt dieser Radioära längst überschritten und es waren nur noch Piratenradio-Enthusiasten am Werk. Zum Anderen wurde auch dieses Sendeschiff permanent durch Wind und Wellen aus den Ankern gehoben und in seiner Substanz geschädigt Die Instabilität, ausgelöst durch den hohen Sendemast, insbesondere bei Wind gegen Wasser, wurde als Verursacher genannt. Dass der Zustand des Mastes sich während jedes Sturmes verschlechtert, war den Technikern an Bord offenbar nicht bekannt. In einem schweren Sturm knickte am 25. November 1987 der Sendemast an seiner Unterseite ein und kippte in die tosende See. Die „Ross Revenge" wurde durch die nicht gerissenen Halterungsseile, vom sinkenden Mast auf 55° Schlagseite heruntergezogen. Bereits am nächsten Tag brachte ein Versorgungsschiff technisches Hilfs-material, um das Schiff aus der misslichen Lage zu befreien und um einen Not-Sendebetrieb abwickeln zu können. Ein Antennenprovisorium wurde zwischen dem Lichtmast und dem Schornstein eingerichtet, und das Radioprogramm lief weiter. Bis zum 27. Januar 1988 wurde eine neue „T-Antenne" auf zwei kürzeren Masten angebracht. Von Bord der „Ross Revenge" wird jetzt nicht nur das Programm von „Radio Caroline" gesendet, sondern seit dem 16. Dezember 1984 auch das mit der Identität von „Radio Monique". Das Programm ist in niederländischer Sprache zu hören. Dieser Sender wird später durch „Radio 558" abgelöst, und der wiederum von „Radio 819". Am 19. August 1989 entert die niederländische Marine das Radioschiff „Ross Revenge". Unter den Augen von britischen, französischen und belgischen Beamten werden Tonträger und Bandmaschinen konfisziert. Die Sendeanlage wird zum Teil demontiert und zerstört. Diese Aktion spielte sich aber auf internationalem Gewässer ab und war dadurch illegal. Nun hatten sich also die Gegner der Seesender zu Piraten gewandelt. Zu diesem Zeitpunkt waren alle finanziellen Reserven längst aufgebraucht, aber Ronan O’Rahilly ist ein Mensch, der nicht aufgibt. Im Oktober wurde der Sendebetrieb bei „Radio Caroline" wieder aufgenommen. Mit Spenden der „Caroline-Fans" wurden neue Ausrüstungsgegenstände beschafft und mit geringerer Sendeleistung als bisher war man wieder aus dem Äther zu hören. Infolge des immer knapper werdenden Haushalts der „Caroline-Company" gab es häufig Treibstoff Engpässe und als Folge von unterlassenen Inspektionen vielen oftmals Generatoren aus, bis schließlich die nautische Mannschaft von der britischen Seefahrtsbehörde „Trinity House" angemahnt wurde, während der Nacht und bei unsichtigem Wetter die Positionsbeleuchtung gemäß den Schifffahrtsregeln eingeschaltet zu lassen. Wegen der nun noch erheblicher werdenden technischen und materiellen Mängel stellte „Radio Caroline" am 6. November 1990 den Sendebetrieb als O f f s h o r e -Radio-Station ein. „Radio Caroline" ist heute als verschlüsselter Satellitenrundfunk zu hören. Das Studio ist in England. Während eines Orkans der Stärke 12 musste die Mannschaft mit einem Hubschrauber evakuiert werden. Die „Ross Revenge" trieb nun führerlos in der Nordsee und läuft auf die gefürchteten Goodwin Sände auf. Noch nie zuvor konnte ein Schiff von diesen Sandbänken wieder befreit werden. In diesem Fall aber gelang es dem Bergungsteam das Radioschiff frei zu schleppen und als „totes Schiff" in den Hafen von Dover zu legen! Ronan O’Rahilly ist ein gebrochener Mann. In England wurde nun eine sogenannte „Ross-Revenge" Auffanggesellschaft gegründet um das Schiff von der Bergungsfirma zurück zu kaufen. Die Liegegebühren im Hafen von Dover rissen aber ein neues Loch in das dünne Geldsäckchen der Radioschifffreunde. Nun ging man mit unzähligen freiwilligen Helfern daran, das Schiff fahrfähig zu machen, damit es auf einen kostengünstigen Ankerplatz gebracht werden kann. Einzelne lokale Sendelizenzen wurden beantragt und genehmigt. Mit diesen Aktionen wurde Geld für die Instandhaltung des Schiffs eingespielt. Die Rundfunkbehörde blieb aber sensibel in dieser Angelegenheit. Das Schiff wurde im Laufe der Jahre in einen guten Zustand zurückversetzt und ist zeitweise als legale Radiostation bei Veranstaltungen zu sehen. Zu diesen Radio-Revivals muss das Schiff aber geschleppt werden. Die britischen Behörden haben die Wellenanlage der „Ross Revenge" verriegelt um ein Entweichen zu verhindern. Als Touristenattraktion liegt das Radioschiff heute im Hafen von Queenborough, Isle Of Sheppey (Kent, UK).
Westeuropäische Seesender in der Nord- und Ostsee Abschließend der Überblick über all diese Sender, die mit ihrem vor allem bei der britischen und niederländischen, aber auch bei der deutschen Bevölkerung sehr beliebten Programm nicht unwesentlich zur Einführung des privaten Rundfunks in Europa beigetragen haben. Der Sendebeginn bestimmt die Reihenfolge.
Radio Mercur Juli 1958 bis 16. August 1962 von den Schiffen: Cheeta, Cheeta 2 und Lucky Star vor der dänischen Küste bei Kopenhagen in schwedischer und englischer Sprache Frequenzen: ausschließlich im UKW Bereich. Sendeleistung: 20 kW. Radio Veronica 21. April 1960 bis 31. August 1974 von den Schiffen: Borkum Riff und Norderney vor der niederländischen Küste bei Katwijk, später bei Scheveningen in niederländischer Sprache Frequenzen: ausschließlich auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW. Radio Nord 7. Februar 1961 bis 31. Juli 1962 von dem Schiff Bon Jour (späterer Schiffsname: Mi Amigo) vor der schwedischen Küste bei Stockholm in schwedischer Sprache Frequenzen: ausschließlich auf der Mittelwelle. Sendeleistung 20 kW. Danmarks Commercielle Radio 15. September 1961 bis 29. Januar 1962 von dem Schiff Lucky Star vor der Küste von Dänemark bei Kopenhagen in dänischer Sprache Frequenz: UKW 93,97 MHz. Sendeleistung 20 kW. Radio Syd Februar 1962 bis Januar 1966 von den Schiffen: Cheeta und Cheeta 2 vor der Küste von Schweden bei Malmö in schwedischer Sprache Frequenzen: ausschließlich im UKW Bereich. Sendeleistung 7 kW. Radio Antwerpen 12. Oktober 1962 bis 16. Dezember 1962 von dem Schiff Uilenspiegel vor der Küste von Belgien bei Zeebrügge in französischer und flämischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle und der Kurzwelle. Sendeleistung 10 kW. Radio Caroline 27. März 1964 bis 12 Juli 1964 von dem Schiff Fredericia vor der Küste von England bei Felixstowe in englischer Sprache Frequenz: auf der Mittelwelle 197m (1520 kHz). Sendeleistung 10 kW. Radio Atlanta 9. Mai 1964 bis 2. Juli 1964 von dem Schiff Mi Amigo vor der Küste von England bei Frinton on Sea in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW Radio Sutch 27. Mai 1964 bis September 1964 von dem Fort „Shivering Sands" vor England in der Themsemündung in englischer Sprache Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW. Radio Invicta 3. Juni 1964 bis Februar 1965 von dem Fort „Red Sands" vor England in der Themsemündung in englischer Sprache Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW. Radio Caroline North 13. Juli 1964 bis 2. März 1968 von dem Schiff Fredericia vor der Küste von England bei Ramsey (Isle of Man) in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 20 kW. Radio Caroline South 3. Juli 1964 bis 3. März 1968 von den Schiffen Mi Amigo und Cheeta 2 vor der Küste von England bei Frinton on Sea in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW. Radio/TV Noordzee 29. Juli 1964 bis 17. Dezember 1964 (später unter dem Namen „TROS" legaler Sender) von dem Fort „REM-Insel" vor der niederländischen Küste bei Noordwijk in niederländischer Sprache Frequenz: Mittelwelle. TV auf VHF-Kanal 11. Sendeleistung: 1 kW (Radio), 10 kW (TV). Radio City 30. September 1964 bis 8. Februar 1967 von dem Fort „Shivering Sands" vor der Küste von England in der Themsemündung in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW. Radio London (Big L) 5. Dezember 1964 bis 14. August 1967 von dem Schiff Galaxy vor der Küste von England bei Frinton on Sea in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 75 kW. K-I-N-G März 1965 bis 22. September 1965 von dem Fort „Red Sands" vor der Küste von England in der Themsemündung in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW Radio 390 25. September 1965 bis 25. November 1966 und 31. Dezember 1966 bis 28. Juli 1967 von dem Fort „Red Sands" vor der Küste von England in der Themsemündung in englischer Sprache Frequenz: Mittelwelle. Sendeleistung 35 kW. Radio Essex/BBMS 27. Oktober 1965 bis 25. Dezember 1966 von dem Fort „Knock John" vor der Küste von England in der Themsemündung in englischer Sprache Frequenz: Mittelwelle. Sendeleistung 1,75 kW. Radio Tower Oktober 1965 bis Mai 1966 von dem Fort „Sunk Head Tower" vor der Küste von England bei Walton on the Naze in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung: 0,25 kW. Radio Scotland 31. Dezember 1965 bis 14. August 1967 von dem Schiff Comet vor Schottland bei Dunbar, später bei Troon und dann vor Nordirland bei Fife in englischer und schottischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 20 kW. Britain Radio 30. April 1966 bis 22. Februar 1967 von dem Schiff Laissez Faire vor England bei Frinton on Sea in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 55 kW. Radio England 3. Mai 1966 bis 13. November 1966 von dem Schiff Laissez Faire vor England bei Frinton on Sea in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 55 kW. Radio 270 4. Juli 1966 bis 14. August 1967 von dem Schiff Oceaan 7 vor England bei Scarborough und später bei Bridlington in englischer Sprache Frequenz Mittelwelle 270 m/1115 kHz. Radio Dolfijn 14. November 1966 bis 22. Februar 1967 von dem Schiff Laissez Faire vor England bei Frinton on Sea in niederländischer Sprache Frequenz Mittelwelle 227 m/ 1322 kHz. Sendeleistung 55 kW. Radio 227 15. März 1967 bis 23. Juli 1967 von dem Schiff Laissez Faire vor England bei Frinton on Sea in niederländischer Sprache Frequenz Mittelwelle 227m/ 1322 kHz. Sendeleistung 55 kW. Radio 355 15. März 1967 bis 5. August 1967 von dem Schiff Laissez Faire vor England bei Frinton on Sea in englischer Sprache Frequenz Mittelwelle 355 m/845 kHz. Sendeleistung 55 kW. Radio Nordsee International 23. Januar 1970 bis 24. September 1970 von dem Schiff Mebo 2 vor der niederländischen Küste vor Scheveningen und vor England bei Clacton on Sea in deutscher und englischer Sprache Frequenzen auf der Mittel- Kurz- und Ultrakurzwelle. MW 105 kW, KW 10 kW, UKW 1 kW. Capital Radio 1. Mai 1970 bis 9. November 1970 von dem Schiff King David vor der niederländischen Küste bei Scheveningen in niederländischer und englischer Sprache Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW Radio Nordsee International 19. Januar 1971 bis 31. August 1974 von dem Schiff Mebo 2 vor der niederländischen Küste bei Scheveningen in niederländischer und englischer Sprache Frequenz auf der Mittel-, Kurz- und Ultrakurzwelle, MW 105 kW, KW 10 kW, UKW 1 kW. Radio Caroline 29 September 1972 bis 19. März 1980 (mit Unterbrechungen). von dem Schiff Mi Amigo vor der niederländischen Küste bei Scheveningen und später vor England an der Südostküste. in englischer und niederländischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW. Radio Atlantis 15. August 1973 bis 31. August 1974 (mit Unterbrechung) zunächst von dem Schiff Mi Amigo, später von dem Schiff Jeanine vor der niederländischen Küste vor Scheveningen und vor der belgischen Küste bei Knokke in niederländischer, flämischer und englischer Sprache Frequenzen auf der Mittel- und Kurzwelle. Sendeleistung 50 kW später 3 kW. Radio Mi Amigo 28. Dezember 1973 bis 18. September 1979 (mit Unterbrechung) von den Schiffen Mi Amigo und Magdalena vor der niederländischen Küste bei Scheveningen später vor England, dann vor Belgien in niederländischer, flämischer und englischer Sprache Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW, später 10 kW. Radio Delmare 21. August bis 11. September 1978 von den Schiffen Aegir und Aegir 2 vor der niederländischen Küste bei Goeree in niederländischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW Radio Paradijs 24. bis 26. Juli 1981 von dem Schiff Magda Maria vor der niederländischen Küste bei Noordwijk in niederländischer Sprache Frequenz: Mittelwelle 271 m / 1107 kHz. Sendeleistung 10 kW. Radio Caroline 19. August 1983 bis 6. November 1990 von dem Schiff Ross Revenge vor der englischen Südost-Küste in englischer Sprache Frequenzen auf der Mittel- und Kurzwelle. Sendeleistung: MW 50 kW, KW 5 kW. Radio Laser 558 6. Mai 1984 bis 5 November 1985 von dem Schiff Communicator vor der englischen Südost-Küste in englischer Sprache Frequenz: Mittelwelle 537 m / 558 kHz. Sendeleistung 25 kW. Radio Monique 16. Dezember 1984 bis 24. November 1987 von dem Schiff Ross Revenge vor der englischen Südost-Küste in niederländischer Sprache Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW. Laser Hot Hits 1. Dezember 1986 bis 20. April 1987 von dem Schiff Communicator vor der englischen Südost-Küste in englischer Sprache Frequenz: Mittelwelle 521 m / 576 kHz. Sendeleistung 25 kW Radio 558 9. Juli bis 4. November 1988 von dem Schiff Ross Revenge vor der englischen Südost-Küste in niederländischer Sprache Frequenz: Mittelwelle 537 m / 558 kHz. Sendeleistung: 5 kW Radio 819 5. November 1988 bis 19. August 1989 von dem Schiff Ross Revenge vor der englischen Südost-Küste in niederländischer Sprache Frequenz: Mittelwelle 366 m / 819 kHz. Sendeleistung 5 kW.
Text-Copyright by Johannes Ruhr Erstveröffentlichung in Teilen: Ostfriesland Magazin, Ausgabe Juli 2003
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