Sendeschiff Cheeta vor Dänemark

 

Von der Nordsee in die Herzen der Hörer:

„Musik von See"

Johannes Ruhr erinnert an die Zeit der Piratensender in den Küstengewässern

Am 29. Oktober 1923 ging der erste deutsche Rundfunksender „Funkstunde" Berlin in der Potsdamer Strasse 4 auf Sendung und schickte die ersten Radiowellen in den Äther. Das neue Medium war faszinierend, und es entstanden erste Formen der Radiomusik. Durch die damals noch beschränkten technischen Möglichkeiten war die Musik allerdings sehr minimal. Zu Beginn der Radiogeschichte wurden neue Formen der akustischen Experimentierkunst gefördert und gesendet. Durch das Radio wurden neue künstlerische Räume geschaffen. Neue Musiken, aus den Studios der öffentlich, rechtlichen Rundfunkanstalten bei uns in Deutschland sowie allerorts wo das Radio damals schon präsent war, fanden nach dem zweiten Weltkrieg im Hörfunk sein Forum.

In Westeuropa sollten aber die längst eingefahrenen Strukturen um jeden Preis erhalten bleiben. Musik schien im Radio darum plötzlich irgendwie nicht mehr erneuerbar. Ebenso die Präsentation der Thematik in diesem neuen Rundfunksystem, dessen Vorgänger allerorts durch die Kriegswirren und deren Verursacher arg gebeutelt und schamlos missbraucht wurden.

Wieder mal in Amerika (USA) gab es existente Muster, wie Rundfunk neu definiert werden kann. Die Zeiten in denen der Moderator hoffte, dass: „Tausende von Zuhörern da draußen an den Lautsprechern..." saßen, um ihm zu lauschen, sollten der Vergangenheit angehören. Die neue Programmform wollte den Hörer durch den Tag begleiten. Beim Frühstück ebenso wie im Auto auf dem Weg zur Arbeit, ja wenn möglich auch am Arbeitsplatz und bei der Arbeit im Haushalt - eben durch den Tagesablauf, ohne jedoch spezielle Aufmerksamkeit zu verursachen und trotzdem Aktualität zu suggerieren!

Diese Art Radio fand in Europa kaum Gehör bei den verantwortlichen Programmchefs der jeweiligen staatlichen und öffentlich, rechtlichen Rundfunksysteme. Also, musste in dieser Sache etwas privatrechtlich geschehen. Nur war Privatfunk Anfang der 60er außerhalb der Enklave Luxemburg undenkbar. Aber nach damaligem internationalem Recht endete das Hoheitsgebiet eines jeden Küstenlandes nach drei Meilen im Meer, die Reichweite von Funkwellen dagegen keineswegs. Damit war die Idee geboren, Radio von hoher See zu betreiben (Offshoreradio). Die Skandinavier, geradezu auserwählt für neue Wege in die Moderne waren mit der Umsetzung dieser Rundfunk Betriebsart am schnellsten. Im Juli 1958 starteten sie von Bord des Motorschiffs „Cheeta", welches außerhalb der drei Meilen Zone bei Kopenhagen vor Anker lag, das Programm von „Radio Mercur" in schwedischer und englischer Sprache. Den ersten europäischen Festland-Piratensender mit dem Namen "Radio Normandie" gab es allerdings seit den 40er Jahren schon in Frankreich.

Eine Gruppe von Radiohändlern in den Niederlanden entschließt sich, dass gleiche zu tun und gründet am 15. Oktober 1959 in Amsterdam den „Vrije Radio Omroep Nederland" (VRON). Um möglichst viele Anteile an dieser Gesellschaft in Umlauf zu bringen und um die schon eingetragenen Teilhaber zufrieden zu stellen, startet der Direktor Hendrik "Henk" Oswald am 15 November 1959 eine Testsendung der „VRON". Er nennt diese Sendung „Von hoher See", doch in Wirklichkeit sendet er dieses Programm aus seinem Büro in der Beursstraat 15, im Herzen Amsterdams.

Wie auch bei uns in Deutschland war in den Niederlanden das Betreiben von kommerziellem Rundfunk untersagt, und auch dort lag das Rundfunkmonopol in staatlicher bzw. in öffentlich rechtlicher Hand. Die „VRON Leute" aber strikten einen Plan: Wie die Skandinavier, wollten auch sie einen Seesender betreiben, der außerhalb der drei Meilen Zone vor der niederländischen Küste vor Anker liegen sollte. Bei der Suche nach einem geeigneten Sendeschiff wurde die Gesellschaft in Emden fündig.

Im Hafen dümpelte zu der Zeit das fast 50 Jahre alte Feuerschiff „Borkum Riff III" vor sich hin. Es wurde 1911 bei der Meyerwerft in Papenburg fertiggestellt und hatte seitdem seinen Dienst als Feuerschiff in der Westerems versehen. Der immer rasanter werdenden Technisierung auf den Weltmeeren viel dieses Schiff dann zum Opfer. Es durfte sich aber noch Feuerschiff-Reserve nennen, denn für einen Notfall war es immerhin noch gut genug. Als es aber zum Verschrotten verkauft werden sollte, schienen die Tage des Schiffsveteranen gezählt.

Dieser Gang der Dinge wurde am 9. Dezember 1959 unterbrochen. An jenem Tag kaufte der niederländische „VRON" das Feuerschiff für 63 000 Gulden. Gleichzeitig erhielt die Emder Cassens Werft den Auftrag, dass Schiff zu renovieren und als Sendeschiff auszurüsten.

 <<< Das ehemalige Feuerschiff "Borkum Riff III"

Die niederländischen Behörden hatten Interesse daran, das Vorhaben zu unterbinden, denn ihnen war bei der bevorstehenden Konkurrenz für ihr Rundfunksystem nicht ganz wohl zu Mute, was sich dann auch bestätigen sollte. Vorsorglich beschlagnahmten sie am 11. Dezember 1959 und am 5. Februar 1960 je einen Mittelwellensender, die auf dem Weg nach Emden waren.

Das ehrgeizige Vorhaben konnte damit aber nicht gestoppt werden. Inzwischen hatte die niederländische Radio-Gesellschaft dicke Werbeverträge in der Tasche, darüber hinaus hatten sie bei Lloyds eine Versicherung gegen die Beschlagnahme ihres Projekts abgeschlossen. Am 18. April gegen 14:30 hieß es „Leinen los" bei Cassens in Emden. Die alte „Borkum Riff III" legte mit neuen Namen (Veronika) und unter der Panama Flagge ab.

 <<<Tontechniker an Bord der "Borkum Riff III" (Veronica)!

Gezogen von dem britischen Schlepper „Guardsman", dessen Kapitän der Schiffsversicherer Lloyds verpflichtet hatte, sollte die Reise, so die offizielle Ankündigung, vor Southampton (England) beendet sein, um das Sendeschiff dort vor Anker zu legen. Wirklich aber wurde das Schiff nur in die Nordsee hinausgeschleppt um es dann bei Katwijk auf internationalem Gewässer vor den Niederlanden vor Anker zu legen. Ein hiesiger Privatflieger beobachtete den Schleppzug von der Knock bis nach Borkum aus der Luft, denn schließlich konnten ja niederländische Schiffe von Delfzijl aus versuchen, den künftigen Radiokonkurrenten zu stellen. Am Abend aber konnte er vermelden, dass alles glatt gegangen sei.

 <<< Die Brüder Verweij bilden das neue Direktorium der VRON

Am 21. April 1960 war es dann soweit. „Radio Veronica" nahm von der „Borkum Riff III" aus, seinen Sendebetrieb über Mittelwelle: 192 Meter auf. Zu hören war internationale Musik und tolle Sprüche in Niederländisch, vorgetragen von Max Groen und Ellen van Eck. Tausende Niederländer, Engländer und deutsche Hörer der Generation, die den öffentlich rechtlichen Rundfunk und sein musikalisches Angebot leid waren, stellten ihre Radios auf Piratenstation „Veronica" ein. Was die Techniker des „Offshoreradios" offenbar nicht bedacht hatten: Sie störten den Flugzeugfunk von Scheveningen Radio. Die erhofften weiteren Werbeverträge für die neue Sendestation halten sich in Grenzen und der „VRON" sieht sich gezwungen sein Projekt zu beenden.

Ende 1960 übernehmen die in der Textilbranche tätigen Brüder Hendrik "Bull", Dirk und Jaap Verweij den Seesender „Veronica". Kurze Zeit später boomt die Werbespot Nachfrage. Der dickste Fisch zu der Zeit: Ein Vertrag über 20 Werbespots am Tag, für die Strumpffirma „Nur Die". Einer Umfrage der niederländischen Rundfunk Kontrollbehörde „NIPO" zufolge, hat Radio „Veronica" Anfang 1961 etwa 5 Millionen Hörer. Das Königreich hatte zu der Zeit etwa 13,5 Millionen Einwohner. Am 1. April 1964 wird der Piratensender von Personen der niederländischen Musikszene überfalle. Dieser Vorfall geht in die Rundfunkgeschichte des Landes als „Sturm auf die Bastille" ein.

 <<<Aus dem Cuxhavener Logger NC 420 "Norderney" (oben), wird das neue Sendeschiff für Radio Veronica

Im November 1964 sind die Tage der „Borkum-Riff" entgültig gezählt. Das einstige Feuerschiff wird abgelöst durch den ehemaligen Heringslogger mit Namen NC 420 „Norderney" den die Niederländer ebenfalls in Deutschland erwerben. Unter dem Vorwand: Die „Norderney" solle für den Hamburger „Star-Club" Chef Manfred Weissleder zu einem Piratensender Schiff umgebaut werden, das dieser unter dem Namen „Radio Star Club" in der Elbemündung betreiben wolle, bauten die Niederländer das Schiff in Zaandam selbst aus. Am 16. November nimmt das neue Sendeschiff „Veronica" (Norderney) den Platz der alten „Borkum Riff" ein und beginnt am gleichen Tag mit der Programmübernahme. Das ehemalige Emder Feuerschiff wird in den Hafen von Zeebrügge geschleppt, wo es ausgemustert und verschrottet wird.

Die Erfolge des niederländischen Piratensenders ließen natürlich andere europäische Rundfunkreformer nicht rasten. In London lebte Ronan O’Rahilly (FOTO links: mit dem Radio Caroline Symbol, "Schiffsglocke"), das schwarze Schaf einer angesehenen irischen Familie. Er wollte in der Hauptstadt Karriere machen. Als Musikmanager war er bei der Rik Gunnell Agentur beschäftigt und nannte als Verleger ein kleines Plattenlabel sein Eigen. Er fühlte sich dazu berufen, junge britische Musiker zum Erfolg zu verhelfen. Viele Talente hatte er im Auge, doch sie fanden kein Gehör bei allen damals vier Programmen des britischen Rundfunk. Ja selbst Radio Luxemburg ging nicht auf die Talente des Plattenproduzenten ein weil dessen Sendezeit bereits von den großen Plattenfirmen gebucht war. Als „die behäbige alte Dame BBC" jedoch auch einen Song von Georgie Fame nicht in ihr Programm aufnehmen wollte, weil dort nur der „Swing", vorgetragen von den klassischen Big Bands jener Zeit, eine Rolle spielte, platzte ihm der Kragen. Andere hätten nun über die Ungerechtigkeit der Welt im Allgemeinen und der Musikbranche im Speziellen gewettert und wären danach wieder zum Tagesgeschäft übergegangen. Nicht so O’Rahilly. Er schmiss seinen Job um Pirat zu werden.

Der damals 27-jährige kaufte auf den Namen seines Vaters „Aodogan", (FOTO: rechts) in Dänemark eine 1930 in Frederikshaven gebaute Personenfähre, die er über Amsterdam nach Greenore (Irland) bringen ließ um sie dort als Seesendeschiff ausrüsten zu lassen. Am 27 März 1964 ging das in „Caroline" umgetaufte Schiff dessen ursprünglicher Name „Fredericia" war, vor Felixstone in internationalem Gewässer vor Anker. Bereits am anderen Mittag, es war Ostersonnabend, ging „Radio Caroline" mit dem „Stones" Song „Not Fade Away" in den Äther und zeigte der europäischen Jugend, was Radio wirklich sein kann. Auch bei uns in Ostfriesland war „Caroline" relativ gut zu hören, und weil an die Empfangsqualität damals nicht halb so viele Ansprüche gestellt wurden wie etwa heute, wurde „Radio Caroline" bei uns zur englischen Alternative des holländischen Piratensenders „Veronica". „Caroline" war der: „Tigger of Swinging Sixties".

Zu jener Zeit erreicht in unserer Region der Umsatz von Transistorradios gerade seinen Höhepunkt. An jedem sommerlichen Badetag hatte diese technische Errungenschaft seinen Platz neben dem Badetuch. In den schrillsten Farben vermittelten die heute eher skurril anmutenden Modelle, der batteriebetriebenen Geräte, welcher Musikkategorie die Badegäste zugetan waren. Wie gesagt: Die Übertragungsqualität hat sich gegenüber heute um 360° gedreht. Heute ist die Tonqualität „topp", aber eine Vielzahl der zu hörenden Musik ist wie das Land – total flach!

Das Unternehmen „Radio Caroline" blieb nicht lange konkurrenzlos vor der britischen Küste. Bereits am 5. Dezember 1964 ging „Radio Big London", dass die Fans kurz „Big L" nannten, auf einem ehemaligen U.S. amerikanischen Minensuchboot namens „Galaxy" (FOTO: links) bei Walton On The Naze (Essex) auf Sendung. Binnen kurzer Zeit hatte der Mitbewerber durch seine Art Pop-Musik anzubieten „Caroline" an die Wand gespielt. „Big L" spielte in unserer Region keine Rolle in der Piratensender Ära. Einige ihrer speziellen Musikstücke fanden aber bei uns an anderer Stelle Gehör.

Der Exzentriker Ronan O’Rahilly schaffte es, die wichtigsten Radiostars von „Big L" anzuheuern und erreichte mit dessen Ideen neuen Schwung für „Radio Caroline". Der Konkurrent war ausgeschaltet, und um außerdem nicht mit dem neuen britischen Rundfunkgesetzt in Konflikt zu geraten, stellte „Radio Big London" am 14. August 1967 seinen Sendebetrieb ein. Das Schiff „Galaxy" wurde nach Hamburg gebracht und lieferte später nochmals Schlagzeilen in Sachen Piratensender, bevor es am 20. April im Jahre 1979 den Geist aufgab und im Kieler Hafen sank (FOTO rechts).

Von dem zweiten konkurrierenden Piratensender „Radio Atlanta" (auf Sendung vom 9. Mai bis 2. Juli 1964) einverleibte sich O’Rahilly neben den D.J’s auch das Schiff „Mi Amigo" und dessen Chef Alan Crawford (FOTO: rechts), der Geschäftsführer bei der Caroline-Gesellschaft wurde. „Radio Caroline gab es nun zweimal. Vor der Isle Of Man ankerte jetzt das ursprüngliche Sendeschiff „Caroline" und sendete das Programm „Caroline North". Die MS „Mi Amigo" ankerte vor Frinton und sendete unter dem Namen „Caroline South" bis März 1968 Popmusik rund um die Uhr für die grenzen-lose Jugend Europas. Natürlich ließ sich die britische Regierung diesen Radiospaß nicht lange gefallen, zumal die Idee rasch Nachahmer fand, so dass sich in kürzester Zeit ein halbes Dutzend Radioschiffe auf See befanden: man erweiterte die Hoheitszone auf 12 Meilen und verbot den Seesenderbetrieb von britischen Boden aus. Am Stichtag des Inkrafttreten dieses Gesetzes (14. Aug. 67) schalteten alle anderen Piratensender vor der englischen Küste ihre Sender ab. Nur „Radio Caroline" blieb im Äther!

 <<< Die "Mi Amigo" (früher "MS Silvetta") sendet das Programm von "Caroline South"

Vor der niederländischen Küste sendet Radio Veronica weiterhin mit der Gunst der Hörer im Rücken. Jedoch stellte man fest, dass der legale niederländische Rundfunksender Hilversum mit seinem Musikformat im 3. Programm dem von Veronica ziemlich nahe gekommen war. Die Veronica’s suchten in America nach neuen Konzepten - und fanden sie. Die von nun an ausgestrahlte Sendung „Top 40" revolutionierte die Hitparadenlandschaft im Nachbarland. Noch heute existiert dort der von „Veronica D.J’s" erfundene Ausdruck: „Alarmschijf", der einen favorisierten Song kennzeichnet. Ab 1965 wurde Radio Veronica mehr und mehr zur Popstation. Viele Sendungen mit unvergessenen Namen und ebenso vielen Moderatoren sind den Hörern bis heute in Erinnerung. Die Beliebtheit dieses Piratensenders gipfelte darin, dass er bis August 1968 sein Programm via „Radio Popular de Mallorca" auch für die niederländischen Spanienurlauber auf den Balearen ausstrahlte.

Bei „Radio Caroline" mit seinen zwei Sendeschiffen lief zu dieser Zeit nicht alles nach Plan. Wegen des neuen britischen Rundfunkgesetzes musste der Seesender nun vom Ausland aus mit Lebensmitteln, Schallplatten und Mitarbeitern versorgt werden. Versorgung von England aus wurde mit hohen Strafen belegt – ein Fan (John Jackson-Hunter) wurde gar gerichtlich verurteilt, nur weil er einen „Radio Caroline" Aufkleber an seinem Auto hatte. O’Rahilly mit seiner Offshoreradio Gesellschaft geriet in die roten Zahlen. Am 2. und 3. März 1968 machte sich das niederländische Versorgungsschiff Unternehmen Wijsmuller der beiden Sendeschiffe habhaft und schleppte sie in niederländische Häfen. Bis zu Begleichung aller angefallenen Kosten durch „Radio Caroline" sollten die Schiffe - von Wijsmuller beschlagnahmt - im Amsterdamer Hafen an der Kette bleiben. Geld um die geforderten Summen zu begleichen konnte aber nicht mehr aufgebracht werden. Beide Schiffe wurden verkauft. Das Sendeschiff „Caroline" wurde im Mai 1972 für 26.500 Gulden öffentlich versteigert und 1980 ausgemustert und verschrottet. Auch die „Mi Amigo" wechselte mehrfach den Eigner, kehrte aber später in die Offshoreradio-Szene zurück!

 <<<Als "Caroline North" meldet sich nun das ursprüngliche Sendeschiff (MS Fredericia) bei seinen Hörern.

Namen aus der niederländischen Musikszene, wie: Golden Earring, Shocking Blue, The Cats, Bintangs, Brainbox, Lovin’ Spoonful, BZN, Pussycat, Hermann van Veen, Hermann Brood, Peter Koelewijn u.a., haben, auch durch ihr Forum bei Radio Veronica, diese Zeit mitgeprägt. Ähnliches gilt für Großbritannien. Heute arrivierte Bands wie „The Who" und „Status Quo" hätten es ohne die Hilfe von „Radio Caroline" nicht geschafft, die Öffentlichkeit mit jenem Bekanntheitsgrad zu erreichen.

 <<<Beide Radio Caroline Schiffe liegen im Amsterdamer Hafen an der Kette.

Die schwärzeste Stunde für populäre Musik in der Geschichte des öffentlich rechtlichen Rundfunks in Deutschland, stand uns Norddeutschen gerade jetzt bevor. Uns deshalb, weil wir am Tellerrand der Republik wenig Auswahlmöglichkeiten in Sachen Radiosender hatten. Der Norddeutsche Rundfunk teilte auf Druck der Phonoindustrie seine Charts in „Deutsche Hitparade" und „Internationale Hitparade". Von nun an waren die deutschsprachigen Musiker konkurrenzlos glücklich, und die „Flakhelfer-Generation" auch. Schlagartig waren die Sängerinnen und Sänger der 1950er Jahre wieder Spitzenreiter und verlängerten ihre Popularität um weitere 10 Jahre. Um Jahre, die nie wieder biologisch abbaubar waren. Die Songs die in der „Internationalen Hitparade des NDR" bei spießbürgerlicher und nicht zeitgemäßer Moderation gesendet wurden, hatte die Jugend längst anderswo wahrgenommen. Zum Moderations-Klassiker dieser Zeit wurde die Ankündigung der Stones. „Und nun Mieke Jäger und seine Freunde!" Zitat eines NDR Moderatoren, der nach zweimaliger Gradwandlung und einem „TV-Flop", heute noch im 1. Programm dieses Senders den Spruch des Tages klopft.

Trotz des Drucks der anderen europäischen Länder unterzeichnete die Niederlande nicht die Straßburger Konvention, die das Treiben der Piratensender beenden sollte, indem jedes Land die Betreiber solcher Stationen unter Strafe stellt, sobald sie deren Hoheitsgebiet betreten. Das galt auch für die Bediensteten und die Versorgungsfirmen. Die niederländische Regierung befürchtete einen Aufstand in der Bevölkerung, wenn man Radio „Veronica" stilllegen würde. Protestaktionen für den Erhalt dieses Senders hatte es schon mehrfach gegeben. Es entstand ein Politikum. „Veronica" wurde sozusagen geduldet!

Radio Veronica erreichte auch durch seine erfolgreiche Jingle-Produktion Aufmerksamkeit und Anerkennung in der europäischen Radioszene. Will Luikinga (FOTO: mit Kopfhörer) zu jener Zeit einer der beliebtesten DJs bei diesem Seesender:

„Als ich etwa zwanzig Jahre alt war und zu meiner ersten Sendung bei Veronica mit einem Stapel Singles in das Studio stolzierte, fragte mich eine zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte Person, die hinter den Reglern saß: „Wie heißt deine Erkennungsmelodie, und hast du ein eigenes Jingle?" „Nein", antwortete ich, aber ich habe eine ganze Menge Platten ausgesucht." „Dann gehen wir erst einmal ins Produktionsstudio um eine Erkennungsmelodie und ein paar tolle, persönliche Jingles aufzunehmen", sagte der Technikus, der, wie ich erst später hörte, als Ad Bouman (FOTO: Ad Bouman im Studio) durchs Leben ging. Ein Radioprogramm ohne Erkennungsmelodie, ohne Background und ohne Jingles ist keine Mahlzeit, sondern nicht mehr als ein Brötchen mit Konfitüre.

„Denk immer daran," sagte Ad Bouman ein paar Monate später, als ich Ihm erzählte, dass ich die Melodie, die er damals für mich als Erkennungsmelodie ausgesucht hatte, sehr gut fand, „Deine Erkennungsmelodie geht ein ganzes Leben lang mit dir!" Er wusste wovon er spricht! Ich blieb bei meiner Melodie und ich spiele sie heute noch.

Nachmittags hatten wir ein paar Jingles, die ich „mehr schlecht als recht" selbst eingespielt hatte, fertiggestellt. „Luikinga, Luikinga. Junge was machst du da". Ja wirklich, die Jingles waren tatsächlich brauchbar.

Jingles sind wichtig für eine moderne Radiostation. Sie bilden das Gesicht eines Senders. Im Laufe der Jahre hat sich auch auf diesem Gebiet einiges getan.

Als wir noch auf der Mittelwelle „192 Meter" (KHz) sendeten, hatten wir in den Niederlanden noch keine Erfahrung mit so einer Musik von 20 Sekunden. Zum Glück kam Willem van Kooten mit der „eisenstarken Schlagzeile: „Een-negen-twee – goed – idee – luister – mee - naar Veronica (Eins – Neun – Zwei – gute –Idee – hören wir Veronica)." Diesen Spruch konnte man sogar mit einer Drehorgel untermalen, selbst dann klang er noch gut.

In den USA waren uns die Kollegen, zumindest auf dem Gebiet: „Jingles" weit voraus. Ein befreundeter KLM-Steward brachte ab und zu Kompakt-Kassetten für uns mit und wir saßen mit roten Ohren vor dem Abspielgerät und hörten wie eines nach dem Anderen „Jingle-Highlight" an uns vorüberrauschte. Oft schnitten wir die Namen der amerikanischen Stationen aus dem Band und riefen dann an dieser Stelle: „Veronica". Getreu der Spielregel: Besser gut geschnitten, als schlecht aufgenommen!

Später, als wir vom Seedeich Nr. 8 in Hilversum nach Laapersveld umgezogen waren, kamen regelmäßig Musiker ins Haus, meistens lag eine Gitarre auf ihrem Autorücksitz. Im Studio sangen sie dann aus voller Brust: „Veronica". Die ausländischen Kollegen hatten damit etwas größere Probleme, doch unser gut gefüllter Kühlschrank tat da wahre Wunder. Einer gelungenen Jingle folgte immer ein geselliges Fest. Leon Russell, der in den Jahren sehr bekannt war, weil er immer einen hohen Hut trug und mit Joe Cocker auf Tournee war, setzte sich persönlich ans Piano Jahrgang 1910. Er fiel vom Hocker, noch bevor er den ersten Accord gespielt hatte. Aber der Wille war da!

Jingles für die Segelregatta, für die Automobilfans, für Weihnachten, für die Aktion „Veronica Blijft Als U Wilt (Veronica bleibt, wenn Ihr es wollt)", für den Beatles-Tag, alles haben wir gemacht. Auf Geräten an denen schier endloser Kabelsalat hing, die jedoch bei Störungen durch den berühmten Schlag mit dem Gummihammer durch Adje Bouman stets wieder einsatzbereit waren.

Als wir von der Frequenz 192 KHz nach 538 KHz wechselten, wurde die ganze Sache professioneller. Fachkundige Arrangeure und Komponisten in einem Plattenstudio kreierten unser erstes echtes Jingle-Paket. Das wir nun eigentlich auf 539 KHz senden und darauf keinen guten Reim fanden, lösten wir nach Absprache mit der Direktion innerhalb von zwei Minuten. Ganz ehrlich: „Vijf-drie-acht op volle kracht (5-3-8 aus voller Kraft)" klingt doch besser als: „Vijf-drie-negen-bij-zonnenschijn-en-regen (5-3-9 bei Sonnenschein und Regen)".

Heute ist die Herstellung von Jingles, Bridges und Trailern ein eigener Musik-Zweig. Zahllose Studios machen solche „Musikstückchen" am laufenden Band und man brauchst sie nur noch einzusingen (Playback). Jede Rundfunkstation mit mehr als zehn Hörer hat sein eigenes Jinglepaket. Aber das hört man dann auch.

Unsere Jingles die einst durch den Äther in Ihre Radios kamen, sie hatten allesamt eines gemeinsam: Sie vermittelten den Hörern, warum Veronica „Veronica" war.

 <<< MS Galaxy am Ausrüstungspier im Hamburger Hafen

Am 17 April 1968 sorgte eine Meldung der DPA für internationale Aufregung. Unter dem Titel: „Neuer Piratensender im Kommen" wurde gemeldet, dass die „MS Galaxy" (früher Sendeschiff von „Big L") durch ein Schweizer Werbebüro aus St. Gallen in Hamburg gekauft worden sei und als Radioschiff ausgerüstet in internationalen Gewässern auf einer Position bei Helgoland verankert werden solle. Der Start dieses angekündigten neuen Seesenders wurde aber ständig hinausgeschoben, bis es schließlich hieß, die Schweizer Firma „Gloria International" habe sich aus dem Projekt zurückgezogen, da sie befürchte, dass die Bundesregierung der Straßburger Konvention zustimmen werde, was dann auch tatsächlich im Juni 1969 der Fall war.

Nun traten zwei weitere Schweizer auf den Plan: Erwin Meister und Edwin Bollier (Geiser und Boiler nannte sie später der niederländische Radio DJ „Leo van der Goot"). Sie hatten einen neuen Plan: Um ein Schiff zu einem Sendeschiff auszurüsten, konnte man jetzt nur noch die Niederlande wählen, weil dort das sogenannte Piratengesetz nicht unterzeichnet worden war, und die Eigner vorgaben, das Sendeschiff vor der deutschen Nordseeküste zu platzieren. Die Schweizer kauften in Norwegen die MS Bjarkoy und nannten sie MEBO, zusammengesetzt aus den ersten 2 Buchstaben der beiden Nachnamen. Während der Umbauarbeiten in einer Werft in Slikkerveer (NL) wiesen die Schiffbauer die beiden Unternehmer darauf hin, dass dieses Schiffsmodell den Anforderungen in der Nordsee als Ankerlieger nicht gewachsen sei. Daraufhin wurde in Norwegen ein zweites Schiff gekauft. Diesmal ein Trawler Namens „Silvetta", er war 57 Meter lang und damit auch für künftige Aufgaben geeignet. Dieses Schiff wurde MEBO II genannt und als Radioschiff mit einem 52 Meter hohen Sendemast ausgebaut. Das erste Schiff wurde zunächst als Versorger für den Seesender eingesetzt, erwies sich aber für diese Aufgabe als zu groß und damit zu unrentabel.

 <<< Erwin Meister und Edwin Bollier

Erstmals am 22. November 1969 sickerte durch, dass der künftige Sender „Radio Nordsee International (RNI)" heißt und das sein Programm in Deutsch, Niederländisch und Englisch in den Äther geht. Das Programm sollte bis Warschau zu hören sein. Ein 30 Sekunden Werbespot kostete 200 $ und ein Spot über 1. Sendeminuten 380 $.

Das niederländische Kabinett ließ erkennen, dass es nun doch dem Antipiratengesetz der Nachbarländer zustimmen wolle, da sich sonst noch mehr Seesender vor ihrer Küste ansammeln würden. Im Hintergrund hatten die Brüder Verweij als Betreiber von „Radio Veronica" den Schweizern Konkurrenten einen großen Geldbetrag überwiesen (Gerüchten zufolge soll es sich um 1. Million Gulden gehandelt haben), womit sie Anteile an dem Radioschiff „MEBO II" erwerben wollten. Der Kapitän auf dem „Radio Nordsee" Schiff wurde ebenfalls durch die „Veronica" Besitzer gestellt. Im Gegenzug sicherten die Schweizer der Veronica Company zu, niemals Programme in niederländischer Sprache zu senden.

Anfang 1970 legte sich dann das Sendeschiff MEBO II (FOTO: links) in all seiner Farbenpracht auf den künftigen Ankerplatz vor die niederländischen Küste bei Scheveningen, um sein Programm ab 23. Januar in Deutsch und Englisch auszustrahlen. Bereits am 24. September wurden die Sendungen wieder eingestellt, weil bei den ausgewählten Sendefrequenzen ständig Interferenzen auftraten, auch nachdem man das Sendeschiff nach Clacton vor die englische Küste gelegt hatte, aber kurze Zeit später wieder vor den Niederlanden lag.

Als die Schweizer Meister und Bollier das von der „Veronica Company" erhaltene Geld zurückzahlen wollten, beharrten die Brüder Verwey auf den Bestand des Vertrags und strengen ein Gerichtsurteil an, das aber negativ für „Veronica" ausging, weil die niederländische Gerichtsbarkeit sich, wegen der 3 Meilen Zone, nicht für Zuständig befand. Daraufhin nahm die „Veronica" Direktion das „RNI" Sendeschiff in Beschlag und wies den von Ihnen bezahlten Kapitän an, den Sendebetrieb zu unterbinden. Diesen Vorgang sendeten die „RNI" DJs „Live" in die Wohnstuben ihrer Hörer. Unter einem Vorwand lockten die Schweizer Eigner im Januar 1971 den „Veronica" Kapitän von Bord der „MEBO II" und nahmen das Sendeschiff wieder persönlich in Besitz.

 <<< Das deutschsprachige Team mit "Hannibal", Axel und Horst Reiner  

Einen weiteren Piratenstreich hatte „RNI" in der Zeit zwischen dem 13. und 20 Juni unternommen. Die „MEBO II" verlegte ihren Ankerplatz vor die britische Küste bei Frinton, um in den dortigen Wahlkampf einzugreifen. Der Piratensender meldete sich unter dem Namen „Radio Caroline International" bei den Hörern, um auf der Popularitätswelle von „Radio Caroline" (das zu dieser Zeit nicht existierte) den Wahlausgang zu beeinflussen. Tatsächlich fand dann auch der erhoffte Regierungswechsel statt.

 "Harald Wilson im Mao Look". Fotomontage im britischen Wahlkampf 1970>>>

Im Februar 1971, war die Station „Radio Nordsee International" wieder zu hören. Zum deutschsprachigen Team gehörten zu Beginn die DJs Horst Reiner, Axel und „Hannibal", der unter seinem bürgerlichen Namen Ulf Pose später Karriere bei Radio Luxemburg und dem WDR machte. Deutschsprachige Musiktitel waren aber nicht zu hören, weil kein konkurrenzfähiges, populäres Musikangebot vorhanden war, das die Werbepartner akzeptierten. Besonders in Erinnerung ist den Stammhörern von damals die RNI Erkennungsmelodie „Man Of Action" (Cover-FOTO: links) die andauernd gespielt wurde. Diese Melodie lief immer und immer wieder – es war eine Art Gehirnwäsche für die Hörer, denen klargemacht werden sollte, dass sie nun ihre absolute Lieblingsstation für die kommenden Jahre gefunden hatten. Beliebt war das Programm allemal, das bezeugten Waschkörbe voll Fanpost, insbesondere aus Ostfriesland und der ehemaligen „DDR".

Am 15. Mai 1971 fährt der niederländische Kapitän Tom van de Linden in Begleitung von zwei Berufstauchern mit einem Schlauchboot zum „RNI" Sendeschiff „MEBO II". Gegen 22 Uhr erklimmen die Taucher das Deck des Schiffs und legen, von der Crew unbemerkt, Feuer im Maschinenraum. Ebenso unbemerkt konnten sie zurückfahren. Am Strand von Scheveningen angelangt, zerschnitten sie das Schlauchboot und vergruben es im Sand. Die Besatzung des Piratensenders versuchte zunächst mit eigenen Mitteln den Brand zu löschen. Im laufenden Musikprogramm meldeten die DJs zwischen den Musikstücken pausenlos Mayday, Mayday, Mayday (SOS) und tausender Hörer in Europa bangten an diesem Abend um ihren Lieblingssender. SAR Schiffe sammelten indes die über Bord gehüpften DJs ein und löschten das Feuer. (FOTO links) Am anderen Morgen konnte das Programm wieder zur gewohnten Zeit beginnen.

Tage später wird der „Radio Veronica" Geschäftsführer Norbert Jürgens festgenommen. Er war der Drahtzieher des Piratenstücks. Wenig später wird auch Bull Verwey, einer der Eigentümer von „Veronica", unmittelbar nach einem Interview im Niederländischen Fernsehen festgenommen (FOTO rechts). Alle Beteiligten erhalten Haftstrafen bis zu einem Jahr. Der Auslöser für diese Tat soll das Programm in Niederländischer Sprache gewesen sein, das seit geraumer Zeit, entgegen allen Absprachen, von „Radio Noordzee" gesendet wurde.

Die Schweizer Meister und Bollier hatten inzwischen in den Niederlanden mit der „Strenghold Musikgesellschaft" einen finanzstarken Partner gefunden, dessen Direktor John de Mol war. De Mol, früher Chormitglied einer Gesangsgruppe, die kommerzielle Jingels für Radio Veronica produzierte, ist der Vater von Linda de Mol, die bei uns durch zahlreiche RTL-TV-Shows bekannt wurde, und von  John jun., der schon als 17 jähriger in der technischen Abteilung von Radio Nordsee an Bord der MEBO II tätig war, und heute der größte Fernsehshow-Produzent in Europa ist. De Mol sen. brachte auch den nötigen niederländischen Flair mit, der für diesen Programmbereich so wichtig war. Als Solosänger trat der Senior der Familie de Mol mit dem Country-Song "El Paso" in den Niederlanden in Erscheinung. Den DJ's von Radio Nordsee wurde jedoch die sofortige Entlassung aus dem Job angedroht, sollten sie dieses Werk im Programm des Senders spielen.

 <<<Der 17-jährige John de Mol Junior am Mischpult. Links hinter der Technik seine Schwester Linda de Mol.

Nicht zuletzt auf Grund des von den „Veronica" Leuten durchgeführten Anschlag auf die „MEBO II" beginnt die Regierung in Den Haag laut über ein (dort sogenanntes) „Anti-Veronica-Gesetz" nachzudenken! Um dem entgegenzuwirken startet „Veronica" die Aktion: „VERONICA BLEIBT, WENN IHR ES WOLLT" bzw. „IHR MÜSST ’WAS TUN, ES IST FÜR VERONICA". Bei dieser Aktion wird das ganze Ausmaß der Beliebtheit dieses Senders in der Bevölkerung des Landes spürbar.

In der Zwischenzeit ist auch die schillernde Persönlichkeit Ronan O’Rahilly (FOTO rechts) auf die Radiobühne zurückgekehrt. Durch finanzwillige Partner hat er das Radioschiff „Mi Amigo" auf äußerst ominöse Weise zurückbekommen. Bei einer öffentlichen Versteigerung des ehemaligen Radioschiffs am 29 Mai 1972 erhielt ein nicht namentlich genannter Bieter den Zuschlag für das Objekt „Mi Amigo", gegen Zahlung von 20.000 Gulden. Hinter den namenlosen Bietern verbargen sich die ehemaligen „Radio Caroline" Mitarbeiter Rob Vermaat und Gerard van Dam. Später meldeten sie die „Mi Amigo" unter ihrem fingierten Firmennamen: „Dutch Free Radio Organisation" bei der niederländischen Radio Kontrollbehörde zu dem Zweck an, auf diesem Schiff ein „Freies Radio" Museum aufzubauen. Die Behörde erteilte die Genehmigung mit der Auflage, dass sich keine „betriebsbereite" Sendeanlage an Bord befinden darf. Nachdem die Ausbauarbeiten im Amsterdamer Hafen abgeschlossen waren, ließen die Eigner verlautbaren, dass sie das Radiomuseum lieber nach England verlegen wollen, da dort das Interesse in der Bevölkerung an so einem Objekt größer sei. Am 2. September verlässt die „Mi Amigo" den Amsterdamer Hafen Richtung England. Am frühen Morgen des nächsten Tages wirft das Radioschiff Anker vor der Küste von Scheveningen, in Sichtweite der Piratensender „Radio Veronica und „Radio Nordsee International". Am 29. September 1972 nach vierjähriger „Offshoreradio" Abstinenz macht Ronan O’Rahilly einen Neustart mit einem Seesender. Weil O’Rahilly die Situation der Radioszene vor der niederländischen Küste erst mal überschauen wollte, meldete sich die Station zunächst mit dem Namen: „Radio 199". Als sich der Erfolg einstellte, änderte sich die Identität des Senders wieder in „Radio Caroline". In einem neuen Programmformat und mit einer neuen Mannschaft, dessen Akteure hauptsächlich der Hippie- und Aussteigerszene zugeordnet werden, appelliert er an die Ethik und propagiert „Loving Awareness – A Lifestyle Of Love, Peace And Tolerance". Zeitweise agiert „Radio Caroline" jetzt als Albumstation und spielt Songs (oftmals von der Phonoindustrie als B-Seite herausgegeben), die nicht auf den Hitlisten dieser Zeit erscheinen. Zu allem Übel liegen nun alle drei Piratensender in Sichtweite, außerhalb der Drei-Meilen-Zone vor Scheveningen. Kurze Zeit später gesellt sich auch noch „Radio Atlantis" zu ihnen. Einen Tag nach dem Eintreffen von „Radio Caroline" ändert „Radio Veronica" die Sendefrequenz um besser empfangbar zu sein. Angeblich stört der Sender „Beromünster" auf diesem Band durch Überreichweiten. 30. Sekunden nach dem Frequenzwechsel von Radio „Veronica" meldet sich „Radio Nordsee International" auf der alten Frequenz mit einem sogenannten 2. Programm zu Wort. Dieses Programm verstummt allerdings wieder am zweiten Tag.

Am 2. April 1973 tobt ein schwerer Sturm an der Nordseeküste. Bei den beiden Sendeschiffen „Norderney" (Radio Veronica) und „MEBO II" (RNI) brechen die Ankerketten. Das „Veronica" Schiff treibt auf den Scheveninger Strand, während sich die „MEBO II" mit eigener Kraft auf ihrer Position halten kann. Da das Veronica Schiff nun in niederländischem Hoheitsgebiet lag, wurde der Sendebetrieb unverzüglich gestoppt. Ein Pirat war gestrandet. Piraten wären aber nicht Piraten, wenn sie sich nicht helfen. Ronan O’Rahilly stellte dem „Veronica-Team" sein „Radio Caroline" Schiff bis zum Freischleppen der „Norderney" zur Verfügung und der Sendebetrieb wurde von Bord des Konkurrenten fortgesetzt, nachdem auf der „Mi Amigo" ein zusätzlicher Generator und zwei neue Studios installiert waren. Von dem Geld das O’Rahilly von der „Veronica Company" für diesen Hilfsakt erhielt, ließ er den defekten Sendemast, der durch den Sturm in Mitleidenschaft geraten war, durch einen neuen, höheren Mast ersetzen.

Im Kurzwellenprogramm von „Radio Nordsee International" gab es seit Oktober 1972 wieder eine deutschsprachige Sendung mit dem Namen „NSGDX", die von zwei Emdern produziert wurde. Die Brüder Werner und Peter Hartwig  lieferten ihre Beiträge zum Teil aus ihrem eigenen Studio in Emden, aber auch von Bord der „MEBO II". Auch beim „Final Closedown Day" des Offshore-Radios waren sie dabei und schwärmen noch heute von der großen Anteilnahme der Bevölkerung, als Schiffe und Besatzungen in den Scheveninger Hafen eintrafen.

Das nun mit „Radio Atlantis" inzwischen vier Offshoreradios vor der niederländischen Küste ihr Musikprogramm mit Werbespots senden, sowie die immer heftiger werdenden Zwischenfälle bei diesen Radiostationen, veranlasst dann doch die zweite Kammer der niederländische Regierung, einen Gesetzesvorschlag zum Verbot dieser Sender einzubringen.

Am 22. Juni 1973 nahm die Zweite Kammer des Parlaments in Den Haag mit 95 gegen 37 Stimmen den Gesetzentwurf an und brachte damit eine Lawine von juristischen Abläufen in Gang. Erst am 22 Januar 1974 konnte sich die Erste Kammer der niederländischen Regierung mit dem Anti-Piraten-Gesetz befassen und entschied sich mit 29 gegen 12 Stimmen für ein Inkrafttreten dieser Bestimmung. Weitere juristische Drahtseilakte folgten, so dass es noch bis zum 20. August 1974 dauerte, ehe der endgültige Termin für den Beginn der Gültigkeit dieses Gesetzeswerkes feststand. An jenem Tag lässt das „Wasser- und Verkehrsamt der Niederlande" in einer schlichten Pressemitteilung die Öffentlichkeit und die Betreiber der Seesender wissen, dass am 1. September das „Anti-Piratengesetz" in Kraft tritt. „Final-Closedown-Day" für die Radiostationen auf See war damit: Sonnabend der 31 August 1974.

Zwei Tage vor Inkrafttreten des Gesetzes, verlässt „Radio Caroline" seinen Liegeplatz vor Scheveningen, um an die englische Küste geschleppt zu werden. Gezogen von einem Schiff namens „Dolfijn", dessen Eigner jener Tom van Linden ist, der den Brandanschlag auf das „RNI Schiff" anführte. Ronan O’Rahilly wiedersetzt sich damit dem nun im gesamten Nordseegebiet gültigen Gesetz.

Der mit 14 Jahren älteste Seesender Europas „Radio Veronica" und der Jüngste an unserer Küste: „Radio Nordsee International (RNI)" verabschieden sich in den letzten Tagen vor dem 31. August jeweils auf emotionale Weise von ihren Fans.

Unvergessen die Worte vom Veronica-Direktor Rob Out: am "Final-Closedown-Day" in der Sendung "Het laatste Uur"

Vor etlichen tausend Jahren entdeckte ein Mensch, das er Feuer machen kann, wahrscheinlich wurde er von seinen Mitmenschen verbrannt. Er war ein Bösewicht, ein Pirat! Von nun an jedoch machten die Menschen Feuer um sich zu wärmen, um Licht zu machen und um sich Essen zu kochen! Etwas später erfand Jemand das Rad. Er ist wahrscheinlich gevierteilt worden, auf der Folterbank. Er hatte der Menschheit etwas geschenkt, das keiner begreifen konnte, dass ihnen aber die Wege zu allen Teilen dieser Erde öffnete.

Zu allen Zeiten gab es Menschen, die den Anstoß zu neuen Entwicklungen gaben. Mit ihren Ideen, ihrem Denkvermögen und ihrer Kreativität. Die Antwort darauf war immer dieselbe: Hass und Missgunst. Jede neue Idee oder Entwicklung wird angefochten durch Menschen die nach Einfluss und Macht streben.

Das Flugzeuge durch die Luft fliegen können, war unmöglich, die Narkose war eine Sünde, Raumfahrt ist Gotteslästerung! Radio Veronica ein Verbrechen?

Radio Veronica ist entstanden durch die Initiative einer handvoll Niederländer. Zerstört durch eine Gruppe Niederländer, die sich in Ihrer Autorität bedroht fühlten. Unser Rundfunksystem ist eine Institution von kleinen „Möchtegernen", instandgehalten von desinteressierten Personen, die kein Ohr für die Hörerbedürfnisse haben. Radio Veronica ist eine Bedrohung für dieses System, und darum muss es verschwinden! Das was wir tun, machen wir nicht zum Zeitvertreib, und darum ist es schwer gegen unseren Idealismus zu kämpfen. Veronica musste Angst und Willkür durchleben, weil es keine politische Bindung hat - und Veronica hat diese Zeit überstanden.

Menschen haben Feuer, Sturm und Blitze bezwungen, Ozeane mit Segelschiffen überquert, sie haben Flugzeuge und Staudämme gebaut. Sie konnten ins All fliegen und das Alles durch ihre Erfahrungen, ihre Kreativität und ihre Willenskraft! Veronica ist entstanden durch eine Handvoll Idealisten. Zerstört durch diejenigen, die das als gesetzeswidrig anprangerten. Es liegt jetzt in euerer Hand, liebe Landsleute mit dem Gefühl für Gerechtigkeit, darauf eine Antwort zu geben!

Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Ein schlimmes Gefühl. Eine Epoche geht zuende. Sie stirbt jetzt.

Mit dem Abschied von Radio Veronica stirbt auch ein Stück Demokratie in den Niederlanden.

Das tut mir Leid! – für die Niederlande!"                                                                                    

                                                                                                                                                          Rob Out

Am 25. Dezember 2003 stirbt Rob Out nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 64 Lebensjahren in seinem Anwesen in Laren..

„Radio Veronica" ist seit 1976 legaler Rundfunksender und erreicht im Jahre 2005 erstmals wieder die höchste Hörenquote von allen Radiostationen in den Niederlanden. An dieser zweiten Ära der Radio-Organisation "Veronica-Omroep-Organisations (VOO)" war Rob Out zusammen mit Lex Harding maßgeblich beteiligt.

Die Nachfolgeorganisation von „RNI", eine italienische Gesellschaft (Radio Nova International), arbeitet noch in Skandinavien. Das Sendeschiff „MEBO II" von „Radio Nordsee International" wurde nach Nordafrika verkauft und diente später, nachdem ein Verkauf an die PLO gescheitert war, der Libyschen Luftwaffe als Zielscheibe beim Übungsschießen, bis es schließlich versenkt wurde.

Das „Veronica" Schiff „Norderney" wurde später in Groningen zu einer schwimmenden Diskothek ausgebaut und gastierte in verschiedenen Häfen des Landes. Als der Gastronom Peter Sälzer seinen Discothekenbetrieb „Madison" in Emden von Grund auf neu gestalten ließ, charterte auch er das Schiff. Während dieser Umbauphase lag die Norderney im Emder Ratsdelft beim Hafentor . An Bord des „Veronica" Schiffs wurde eine der ersten Emder Filmfest Eröffnungspartys gefeiert. An Bord waren damals auch die Schauspieler Martin Armknecht und Thomas Heinze. Heute dümpelt das Schiff als Cafe und Tanzlokal im Stadthafen von Antwerpen.

Die „Mi Amigo" das Sendeschiff von „Radio Caroline" ankert seit dem 30. August 1974 acht Meilen vor der englischen Küste bei Essex in der Nähe des Feuerschiff „Kentish Knock" und sendet frei nach dem Motto: „Piratenradio und kein Ende" herzallerliebste Musik für Europa.

Frei von Schicksalsschlägen wurde das Schiff aber nie. Neben dem Auf und Ab der finanziellen Seite und der immer problematischer werdenden Versorgung und Unterhaltung des Seesenders, setzten auch ständig schwere Stürme der Substanz des Schiffes zu. Die Zahl der Ankerbrüche häuft sich, bis die „Mi Amigo" - nach einem erneuten Ankerverlust – am 19. März 1980 zehn Meilen vom eigentlichen Liegeplatz entfernt auf eine Sandbank (Long Sand Bank) aufläuft. Bei dieser Strandung schlug ein Leck in den Schiffsrumpf und in den Maschinenraum drang Wasser ein. Gegen Mitternacht brachen für die Piratenschiff Legende „Mi Amigo" die letzten Stunden an. Der „Caroline-DJ" Stevie Gordon teilte den Hörern mit, dass das Sendeschiff zu sinken beginnt und das sich die vier noch an Bord gebliebenen Personen nun in die Rettungsboote begeben werden. Der DJ Kollege Tom Anderson hofft auf die Leistungsfähigkeit der Lenzpumpen und sagt: „Wenn sie (die Pumpen) es schaffen, dann hören wir uns wieder". DJ Gordon wirft ein: " Ja, dass hoffe ich auch, für alle von Uns! Zunächst aber heißt es: Goodbye und Gott schütze uns Alle!"

Am Morgen des 20. März 1980 sinkt die „Mi Amigo" auf der Position: 51°.35’. Nord und 1°. 17’.20’’.Ost. Nur der Sendemast ragt noch aus dem Wasser, und war so - lange Zeit Denkmal für eine Piratenradioschiff Legende. Bergungsversuche wurden konstruiert, aber ebenso schnell wieder verworfen, denn es gab keine Hoffnung auf einen Erfolg, weil der Rumpf sich immer tiefer in den Mahlsand bohrte. In der letzten Juliwoche des Jahres 1986 knickte auch der Sendemast ein, und versank. Die britische Schifffahrtsbehörde teilte in den „Nachrichten für Seefahrer" vom 2. August mit, dass der Sendemast für die Schiffart nicht mehr sichtbar ist. Aus Sicherheitsgründen sprengte die Marine das Wrack, und in den „Nachrichten für Seefahrer" vom 13. September teilt die Behörde mit, dass nun an gleicher Position eine gelbe Gefahrentonne liegt, um die Schifffahrt vor eventuellen Untiefen zu warnen.

Mehr als nur Rundfunk-Geschichte ließen die Piratensender bis hierhin zurück. Sie waren die Vorläufer für den kommerziellen Rundfunk in Europa. Sie beeinflussten die Programmformate der öffentlich, rechtlichen Radiostationen und lieferten in Massen Ideen zur Programmgestaltung. Sie mischten mit ihren Jinglepaketen die Präsentation der Funk- und Fernsehwerbung auf, und sie lieferten den legalen, offiziellen Radiosendern Personal, das nicht mehr für zeitgemäße Unterhaltungssendungen geschult werden musste. Auch bei uns in Deutschland fand dieser Prozess – für den Hörer und Seher natürlich unbemerkt - statt. Ein kleines Beispiel aus dem Umfeld von „Radio Bremen".

Am 25. September 1965 startete Mike Leckebusch als Regisseur und Initiator den „Beat Club" im „1. Deutschen Fernsehen". Als er nach mehreren Sendungen glaubte, seine Moderatorin Uschi Nerke müsse einen Partner mit britischem Flair erhalten, verpflichtete er den durch „Radio Caroline" bekannten DJ: Dave Lee Travis. Jahre später, nachdem der „Beat Club" aus dem ARD-Programm gemoppt war, kam Leckebusch mit der Sendung „Musikladen" ins ARD-Programm zurück. Er startete die Sendungen mit der ehemaligen Erkennungsmelodie von „Radio Big London", den meisten als Big „L" bekannt. Diese Melodie wird von den „Mood Mosaic" gespielt und trägt den Titel: „A Touch Of Velvet – A Sting Of Brass" (Ein Hauch von Samt und ein Stück Blech). Später als Mike Leckebusch von Bremen nach Garlstedt bei Bremerhaven zog, installierte der passionierte DXer (Wellenjäger) riesige Hochleistungsantennen auf seinem Gelände, um sein Ohr weiterhin an die internationalen Musikszene zu halten. Was ihm, wie wir heute wissen, zu jeder Zeit gelungen ist.

Im August 1983 traute ich meinen Ohren nicht, aber Tage später bestätigten Zeitungsmeldungen mein Gehörtes: „Radio Caroline" ist wieder im Äther. Seit dem 9. August liegt ein leuchtend rotes Sendeschiff mit dem Namen „Ross Revenge" bei „Knock John Deep" vor der englischen Küste, und sendet seit dem 19. August das Programm von „Radio Caroline". Der dritte Start in der Piratenradio-Geschichte dieses Senders nach 1964 und 1972. Wie war es dazu gekommen, wo doch das „Anti-Piratengesetz" für alle Nordsee-Anrainerstaaten gültig war?

Eine neue „Radio-Caroline-Company" war unter Mitwirkung von Ronan O’Rahilly gegründet worden und hatte in Rosyth (Schottland) das passende Schiff für ihr Projekt gefunden. Eine Firma Namens „Seamore" aus Lichtenstein, mit dem österreichischen Direktor Ernst Kunz kaufte die „Ross Revenge" für nur 28.500,- britische Pfund und ließ sie in Panama für die Firmen „Seamore" und „Grothan" registrieren. Damit das Schiff eine Seefunklizenz bekommt um am internationalen Schiffsfunk teilnehmen zu können, wird es als Motoryacht eingestuft. Das Schiff wurde im April 1981 nach Spanien in den Hafen Solares in der Nähe von Santander geschleppt. Die Umbauarbeiten beginnen im Herbst des gleichen Jahres. Das ganze Piratensender Know How der vergangenen zwanzig Jahre soll in diesem Radioschiff angewendet werden. Der Sendemast ragt 90 Meter über den Meeresspiegel hinaus und ist der höchste Mast der je auf einem Schiff installiert wurde. In diesen Ausmaßen ist er mehr als doppelt so hoch wie der Sendemast des gesunkenen Sendeschiff „Mi Amigo". Ballast als Gegengewicht für dieses Stahlmonster ist Boton, der in die ehemaligen Kühlräume im Schiffsbauch gegossen wird. Die „Ross Revenge" war ein in Bremerhaven gebauter Fischtrawler. Unter Deck werden zwei Studios mit dem neusten und besten Equipment dieser Zeit ausgerüstet. Auch die Serviceanlagen entsprechen den Standards dieser Zeit. Zu Beginn des Jahres 1982 wird in Kanada der Hauptinvestor der „Caroline-Company" James Ryan wegen Betrug festgenommen. Weil Ronan O’Rahilly sich nicht an getroffene Vereinbarungen hält, lassen die Investoren der Firmen „Seamore" und „Grothan", vertreten durch James Ryan, das Schiff an die Kette legen. Nach einem schier endlosen Papierkrieg sind im Mai 1983 die Besitzverhältnisse geregelt, und im August wird das Schiff an seine vorgesehene Ankerposition vor die englische Küste geschleppt.

Mit Aufnahme des Sendebetriebes stellt man fest, dass gut 75 % Großbritanniens mit dem Signal erreicht werden. Auch die Ballungszentren der Niederlande, Belgiens und Deutschlands werden in guter Sendequalität erreicht. Besonders glücklich ist die Gesellschaft darüber, dass ihr Sendsignal, dem der „BBC" gleichwertig ist. Die erwartungsvolle Fangemeinschaft in weiten Teilen Europas hört nun wieder Musik die anderswo nicht erklingt, gut gemixt mit den Hits dieser Tage. DJs kommen weniger zu Wort, man lässt die Musik für sich sprechen. Jingles ertönen, wie: „Swinging Europa von der Nordsee" und „Großbritanniens einzige Albumstation". Ein anderer Slogan war „Caroline ist gekommen um zu bleiben", und blieb tatsächlich länger als alle anderen Piratensender zuvor.

Was die „Radio Caroline" Crew schon von früher kannte, wiederholte sich auch bei diesem Unternehmen. Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten. In nächster Nähe der „Ross Revenge ging die „Communicator" vor Anker und sendete ab 6. Mai 1984 ein Programm im amerikanischen „Mainstream" Format. Der Sender nannte sich „Laser 558" und war mit seinem Musikangebot eine größere Bedrohung für die „BBC" als „Radio Caroline". Dieser Sender stellte seinen Betrieb, nach einem unerfreulichen Besuch der britischen Marine, am 5. November 1985 wieder ein. Inzwischen waren auf drängen der Briten die Hoheitsgebiete der Nordseeanrainerstaaten, jetzt Wirtschaftszonen genannt, auf zwölf Seemeilen vergrößert worden.

Am 9. November verkündete die Seefahrtsbehörde das ein Behördenboot in der Nähe von „Radio Caroline vor Anker gehen wird, um die Situation zu beaufsichtigen. Das war aber schon am 3. September geschehen. An diesem Tag legte sich das niederländische Mienensuchboot „Makkum" bei der „Roos Revenge" vor Anker um eine Art Belagerung vorzutäuschen. Diese Aktion unter dem Codenamen „Eurosiege" wurde aber wegen Erfolglosigkeit am 14. Dezember wieder beendet. Der Einschüchterungsversuch zeigte offenbar keine Wirkung bei den Radiopiraten. Das nächste Land, von dem aus das Sendeschiff „Ross Revenge" nun unter immensem Kosten- und Zeitaufwand mit Treibstoff (8.000 Liter pro Woche), Tonträgern und den nötigen Dingen des Bordlebens versorgt werden konnte, war Spanien! Das erweckte den Eindruck, man wolle „Radio Caroline" förmlich verhungern lassen.

Auch der Zug der Zeit hatte längst seine Aufgabe übernommen. Zum Einen war der Höhepunkt dieser Radioära längst überschritten und es waren nur noch Piratenradio-Enthusiasten am Werk. Zum Anderen wurde auch dieses Sendeschiff permanent durch Wind und Wellen aus den Ankern gehoben und in seiner Substanz geschädigt Die Instabilität, ausgelöst durch den hohen Sendemast, insbesondere bei Wind gegen Wasser, wurde als Verursacher genannt. Dass der Zustand des Mastes sich während jedes Sturmes verschlechtert, war den Technikern an Bord offenbar nicht bekannt. In einem schweren Sturm knickte am 25. November 1987 der Sendemast an seiner Unterseite ein und kippte in die tosende See. Die „Ross Revenge" wurde durch die nicht gerissenen Halterungsseile, vom sinkenden Mast auf 55° Schlagseite heruntergezogen. Bereits am nächsten Tag brachte ein Versorgungsschiff technisches Hilfs-material, um das Schiff aus der misslichen Lage zu befreien und um einen Not-Sendebetrieb abwickeln zu können. Ein Antennenprovisorium wurde zwischen dem Lichtmast und dem Schornstein eingerichtet, und das Radioprogramm lief weiter. Bis zum 27. Januar 1988 wurde eine neue „T-Antenne" auf zwei kürzeren Masten angebracht.

Von Bord der „Ross Revenge" wird jetzt nicht nur das Programm von „Radio Caroline" gesendet, sondern seit dem 16. Dezember 1984 auch das mit der Identität von „Radio Monique". Das Programm ist in niederländischer Sprache zu hören. Dieser Sender wird später durch „Radio 558" abgelöst, und der wiederum von „Radio 819".

Am 19. August 1989 entert die niederländische Marine das Radioschiff „Ross Revenge". Unter den Augen von britischen, französischen und belgischen Beamten werden Tonträger und Bandmaschinen konfisziert. Die Sendeanlage wird zum Teil demontiert und zerstört. Diese Aktion spielte sich aber auf internationalem Gewässer ab und war dadurch illegal. Nun hatten sich also die Gegner der Seesender zu Piraten gewandelt.

Zu diesem Zeitpunkt waren alle finanziellen Reserven längst aufgebraucht, aber Ronan O’Rahilly ist ein Mensch, der nicht aufgibt. Im Oktober wurde der Sendebetrieb bei „Radio Caroline" wieder aufgenommen. Mit Spenden der „Caroline-Fans" wurden neue Ausrüstungsgegenstände beschafft und mit geringerer Sendeleistung als bisher war man wieder aus dem Äther zu hören.

Infolge des immer knapper werdenden Haushalts der „Caroline-Company" gab es häufig Treibstoff Engpässe und als Folge von unterlassenen Inspektionen vielen oftmals Generatoren aus, bis schließlich die nautische Mannschaft von der britischen Seefahrtsbehörde „Trinity House" angemahnt wurde, während der Nacht und bei unsichtigem Wetter die Positionsbeleuchtung gemäß den Schifffahrtsregeln eingeschaltet zu lassen. Wegen der nun noch erheblicher werdenden technischen und materiellen Mängel stellte „Radio Caroline" am 6. November 1990 den Sendebetrieb als O f f s h o r e -Radio-Station ein. „Radio Caroline" ist heute als verschlüsselter Satellitenrundfunk zu hören. Das Studio ist in England.

Während eines Orkans der Stärke 12 musste die Mannschaft mit einem Hubschrauber evakuiert werden. Die „Ross Revenge" trieb nun führerlos in der Nordsee und läuft auf die gefürchteten Goodwin Sände auf. Noch nie zuvor konnte ein Schiff von diesen Sandbänken wieder befreit werden. In diesem Fall aber gelang es dem Bergungsteam das Radioschiff frei zu schleppen und als „totes Schiff" in den Hafen von Dover zu legen!

Ronan O’Rahilly ist ein gebrochener Mann.

In England wurde nun eine sogenannte „Ross-Revenge" Auffanggesellschaft gegründet um das Schiff von der Bergungsfirma zurück zu kaufen. Die Liegegebühren im Hafen von Dover rissen aber ein neues Loch in das dünne Geldsäckchen der Radioschifffreunde. Nun ging man mit unzähligen freiwilligen Helfern daran, das Schiff fahrfähig zu machen, damit es auf einen kostengünstigen Ankerplatz gebracht werden kann. Einzelne lokale Sendelizenzen wurden beantragt und genehmigt. Mit diesen Aktionen wurde Geld für die Instandhaltung des Schiffs eingespielt. Die Rundfunkbehörde blieb aber sensibel in dieser Angelegenheit. Das Schiff wurde im Laufe der Jahre in einen guten Zustand zurückversetzt und ist zeitweise als legale Radiostation bei Veranstaltungen zu sehen. Zu diesen Radio-Revivals muss das Schiff aber geschleppt werden. Die britischen Behörden haben die Wellenanlage der „Ross Revenge" verriegelt um ein Entweichen zu verhindern. Als Touristenattraktion liegt das Radioschiff heute im Hafen von Queenborough, Isle Of Sheppey (Kent, UK).              

 

Westeuropäische Seesender in der Nord- und Ostsee

Abschließend der Überblick über all diese Sender, die mit ihrem vor allem bei der britischen und niederländischen, aber auch bei der deutschen Bevölkerung sehr beliebten Programm nicht unwesentlich zur Einführung des privaten Rundfunks in Europa beigetragen haben.

Der Sendebeginn bestimmt die Reihenfolge.

 

Radio Mercur

Juli 1958 bis 16. August 1962

von den Schiffen: Cheeta, Cheeta 2 und Lucky Star

vor der dänischen Küste bei Kopenhagen

in schwedischer und englischer Sprache

Frequenzen: ausschließlich im UKW Bereich. Sendeleistung: 20 kW.

Radio Veronica

21. April 1960 bis 31. August 1974

von den Schiffen: Borkum Riff und Norderney

vor der niederländischen Küste bei Katwijk, später bei Scheveningen

in niederländischer Sprache

Frequenzen: ausschließlich auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW.

Radio Nord

7. Februar 1961 bis 31. Juli 1962

von dem Schiff Bon Jour (späterer Schiffsname: Mi Amigo)

vor der schwedischen Küste bei Stockholm

in schwedischer Sprache

Frequenzen: ausschließlich auf der Mittelwelle. Sendeleistung 20 kW.

Danmarks Commercielle Radio

15. September 1961 bis 29. Januar 1962

von dem Schiff Lucky Star

vor der Küste von Dänemark bei Kopenhagen

in dänischer Sprache

Frequenz: UKW 93,97 MHz. Sendeleistung 20 kW.

Radio Syd

Februar 1962 bis Januar 1966

von den Schiffen: Cheeta und Cheeta 2

vor der Küste von Schweden bei Malmö

in schwedischer Sprache

Frequenzen: ausschließlich im UKW Bereich. Sendeleistung 7 kW.

Radio Antwerpen

12. Oktober 1962 bis 16. Dezember 1962

von dem Schiff Uilenspiegel

vor der Küste von Belgien bei Zeebrügge

in französischer und flämischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle und der Kurzwelle. Sendeleistung 10 kW.

Radio Caroline

27. März 1964 bis 12 Juli 1964

von dem Schiff Fredericia

vor der Küste von England bei Felixstowe

in englischer Sprache

Frequenz: auf der Mittelwelle 197m (1520 kHz). Sendeleistung 10 kW.

Radio Atlanta

9. Mai 1964 bis 2. Juli 1964

von dem Schiff Mi Amigo

vor der Küste von England bei Frinton on Sea

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW

Radio Sutch

27. Mai 1964 bis September 1964

von dem Fort „Shivering Sands"

vor England in der Themsemündung

in englischer Sprache

Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW.

Radio Invicta

3. Juni 1964 bis Februar 1965

von dem Fort „Red Sands"

vor England in der Themsemündung

in englischer Sprache

Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW.

Radio Caroline North

13. Juli 1964 bis 2. März 1968

von dem Schiff Fredericia

vor der Küste von England bei Ramsey (Isle of Man)

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 20 kW.

Radio Caroline South

3. Juli 1964 bis 3. März 1968

von den Schiffen Mi Amigo und Cheeta 2

vor der Küste von England bei Frinton on Sea

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW.

Radio/TV Noordzee

29. Juli 1964 bis 17. Dezember 1964 (später unter dem Namen „TROS" legaler Sender)

von dem Fort „REM-Insel"

vor der niederländischen Küste bei Noordwijk

in niederländischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle. TV auf VHF-Kanal 11. Sendeleistung: 1 kW (Radio), 10 kW (TV).

Radio City

30. September 1964 bis 8. Februar 1967

von dem Fort „Shivering Sands"

vor der Küste von England in der Themsemündung

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW.

Radio London (Big L)

5. Dezember 1964 bis 14. August 1967

von dem Schiff Galaxy

vor der Küste von England bei Frinton on Sea

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 75 kW.

K-I-N-G

März 1965 bis 22. September 1965

von dem Fort „Red Sands"

vor der Küste von England in der Themsemündung

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW

Radio 390

25. September 1965 bis 25. November 1966 und 31. Dezember 1966 bis 28. Juli 1967

von dem Fort „Red Sands"

vor der Küste von England in der Themsemündung

in englischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle. Sendeleistung 35 kW.

Radio Essex/BBMS

27. Oktober 1965 bis 25. Dezember 1966

von dem Fort „Knock John"

vor der Küste von England in der Themsemündung

in englischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle. Sendeleistung 1,75 kW.

Radio Tower

Oktober 1965 bis Mai 1966

von dem Fort „Sunk Head Tower"

vor der Küste von England bei Walton on the Naze

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung: 0,25 kW.

Radio Scotland

31. Dezember 1965 bis 14. August 1967

von dem Schiff Comet

vor Schottland bei Dunbar, später bei Troon und dann vor Nordirland bei Fife

in englischer und schottischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 20 kW.

Britain Radio

30. April 1966 bis 22. Februar 1967

von dem Schiff Laissez Faire

vor England bei Frinton on Sea

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 55 kW.

Radio England

3. Mai 1966 bis 13. November 1966

von dem Schiff Laissez Faire

vor England bei Frinton on Sea

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 55 kW.

Radio 270

4. Juli 1966 bis 14. August 1967

von dem Schiff Oceaan 7

vor England bei Scarborough und später bei Bridlington

in englischer Sprache

Frequenz Mittelwelle 270 m/1115 kHz.

Radio Dolfijn

14. November 1966 bis 22. Februar 1967

von dem Schiff Laissez Faire

vor England bei Frinton on Sea

in niederländischer Sprache

Frequenz Mittelwelle 227 m/ 1322 kHz. Sendeleistung 55 kW.

Radio 227

15. März 1967 bis 23. Juli 1967

von dem Schiff Laissez Faire

vor England bei Frinton on Sea

in niederländischer Sprache

Frequenz Mittelwelle 227m/ 1322 kHz. Sendeleistung 55 kW.

Radio 355

15. März 1967 bis 5. August 1967

von dem Schiff Laissez Faire

vor England bei Frinton on Sea

in englischer Sprache

Frequenz Mittelwelle 355 m/845 kHz. Sendeleistung 55 kW.

Radio Nordsee International

23. Januar 1970 bis 24. September 1970

von dem Schiff Mebo 2

vor der niederländischen Küste vor Scheveningen und vor England bei Clacton on Sea

in deutscher und englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittel- Kurz- und Ultrakurzwelle. MW 105 kW, KW 10 kW, UKW 1 kW.

Capital Radio

1. Mai 1970 bis 9. November 1970

von dem Schiff King David

vor der niederländischen Küste bei Scheveningen

in niederländischer und englischer Sprache

Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 10 kW

Radio Nordsee International

19. Januar 1971 bis 31. August 1974

von dem Schiff Mebo 2

vor der niederländischen Küste bei Scheveningen

in niederländischer und englischer Sprache

Frequenz auf der Mittel-, Kurz- und Ultrakurzwelle, MW 105 kW, KW 10 kW, UKW 1 kW.

Radio Caroline

29 September 1972 bis 19. März 1980 (mit Unterbrechungen).

von dem Schiff Mi Amigo

vor der niederländischen Küste bei Scheveningen und später vor England an der Südostküste.

in englischer und niederländischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW.

Radio Atlantis

15. August 1973 bis 31. August 1974 (mit Unterbrechung)

zunächst von dem Schiff Mi Amigo, später von dem Schiff Jeanine

vor der niederländischen Küste vor Scheveningen und vor der belgischen Küste bei Knokke

in niederländischer, flämischer und englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittel- und Kurzwelle. Sendeleistung 50 kW später 3 kW.

Radio Mi Amigo

28. Dezember 1973 bis 18. September 1979 (mit Unterbrechung)

von den Schiffen Mi Amigo und Magdalena

vor der niederländischen Küste bei Scheveningen später vor England, dann vor Belgien

in niederländischer, flämischer und englischer Sprache

Frequenz auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW, später 10 kW.

Radio Delmare

21. August bis 11. September 1978

von den Schiffen Aegir und Aegir 2

vor der niederländischen Küste bei Goeree

in niederländischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 1 kW

Radio Paradijs

24. bis 26. Juli 1981

von dem Schiff Magda Maria

vor der niederländischen Küste bei Noordwijk

in niederländischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle 271 m / 1107 kHz. Sendeleistung 10 kW.

Radio Caroline

19. August 1983 bis 6. November 1990

von dem Schiff Ross Revenge

vor der englischen Südost-Küste

in englischer Sprache

Frequenzen auf der Mittel- und Kurzwelle. Sendeleistung: MW 50 kW, KW 5 kW.

Radio Laser 558

6. Mai 1984 bis 5 November 1985

von dem Schiff Communicator

vor der englischen Südost-Küste

in englischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle 537 m / 558 kHz. Sendeleistung 25 kW.

Radio Monique

16. Dezember 1984 bis 24. November 1987

von dem Schiff Ross Revenge

vor der englischen Südost-Küste

in niederländischer Sprache

Frequenzen auf der Mittelwelle. Sendeleistung 50 kW.

Laser Hot Hits

1. Dezember 1986 bis 20. April 1987

von dem Schiff Communicator

vor der englischen Südost-Küste

in englischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle 521 m / 576 kHz. Sendeleistung 25 kW

Radio 558

9. Juli bis 4. November 1988

von dem Schiff Ross Revenge

vor der englischen Südost-Küste

in niederländischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle 537 m / 558 kHz. Sendeleistung: 5 kW

Radio 819

5. November 1988 bis 19. August 1989

von dem Schiff Ross Revenge

vor der englischen Südost-Küste

in niederländischer Sprache

Frequenz: Mittelwelle 366 m / 819 kHz. Sendeleistung 5 kW.

 

Text-Copyright by Johannes Ruhr

Erstveröffentlichung in Teilen: Ostfriesland Magazin, Ausgabe Juli 2003

Ostfriesland-Magazin

zurück