Die Geschichte der Flaschenpost

 

Als Flaschenpost wird eine Versandmethode bezeichnet, bei der eine leere Flasche mit einem Dokument befüllt wird, um danach wasserdicht verschlossen in ein Gewässer geworfen zu werden. Dahinter steht die Hoffnung, die Strömung möge die Botschaft an einem anderen Ort an Land spülen, wo sie dann von jemandem entdeckt werden könnte. Einige Schiffbrüchige und einige liebeskranke Poeten hatten das Glück auf ihrer Seite, denn deren Hilferufe wurden in der Tat erhört - der Flaschenbrief kam/schwamm an. Mit "Flaschenpost" verbindet man neben Katastrophen, Romantik, Sensation, Abenteuer und Neugier. Ursprünglich jedoch waren die gläsernen Mitteilungen gar keine Post, sie wurden wissenschaftlich zur Ermittlung von Meeresströmungen benutzt.

Das Hamburger Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie besitzt mit rund 600 Flaschenpostbriefen eine weltweit einzigartige Sammlung. Oft waren für Seemänner die schwimmenden Flaschen ihr letzter Gruß an die Welt. "Unser Schiff sinkt, denken, das ist das Ende. Vielleicht erreicht die Nachricht eines Tages die USA", stand auf dem Zettel, den die Besatzung des Zerstörers USS "Beatty" in den letzten Sekunden über Bord werfen konnte, als sie 1943 von einem deutschen U-Boot vor Gibraltar versenkt wurde. Tatsächlich strandete die Flasche ein Jahr später an der amerikanischen Ostküste.

Viele Schicksal bestimmende Geschichten erzählen sich die Bewohner rund um unseren Globus, die durch eine Flaschenpost ausgelöst wurden: etwa wie ein Schwede auf diese Weise zu einer Ehefrau kam, wie ein chinesischer Dissident dank einer verkorkten Botschaft doch noch in Freiheit gelangte und wie die englische Queen Elizabeth I. sogar einen eigenen Flaschenpost–Entkorker („Offical Uncorker of Bottles“) anstellte.

Über die Ätherwellen, die von Radio Ostfriesland angeregt werden, schwappt seit September 2004 die "tönende  Flaschenpost", mit Meldungen, Meinungen, Marotten und Musik, durch das Programm. Die Öffnung der in diesem Fall auch landtüchtigen „Message In The Bottle"" erfolgt jeweils sonnabends nach den neun Uhr Nachrichten durch Entkorker Johannes Ruhr. In der Regel fördert er kurzweilige, interessante und aktuelle Post aus der Region zu Tage. Aber auch hiesige Historie und skurrile Ereignisse werden dem rauschenden Musikangebot hinzugefügt. Begrüßt wird der Hörer stets mit dem norddeutschen Gruß zweiten Ranges, "Tach auch". Durch das Hinzufügen des aktuellen Wochentages ergibt sich daraus der tiefsinnige Wunsch für Alle: "SCHÖNEN SAMS-TACH-AUCH". Der Wunsch beinhaltet aber wiederum auch die Hoffnung, dass auch die sieben Tage später anlandende "tönende Flaschenpost" von den Hörern auf den Ätherwellen oder auf dem Internetstream aus Ostfriesland entdeckt wird.